Als Kind hatte ich Angst

...vor dem Krampus mit seiner finsteren Maske und der drohenden Rute. Vor der Dunkelheit und vor der Nacht – darin verloren zu sein, mit meinen Sorgen, die mich wach hielten. Ich hatte Angst vor dem Kranksein und dass meiner Mama etwas zustoßen könnte, dass sie nicht mehr nach Hause kam, so wie mein Papa, der krank und verzweifelt gewesen war. Ich hatte Angst vor Diskussionen und Streit, vor wütenden Gesichtern, harten Worten und lauten Konflikten. Mit fünf hatte ich schreckliche Angst davor, mich zu verabschieden und allein im Kindergarten zu bleiben. Ich hatte Angst vor dem Hund hinter dem Gartenzaun, der immer bellte, wenn ich am Nachbargrundstück vorbeiging. Vor Gewittern und heftigem Sturm, vor dem Hagel, wenn er niederprasselte und gegen die Scheiben knallte. Auch davor nicht mithalten zu können mit meinen großen Brüdern, die ich bewunderte, die stark und klug waren. Ich wollte niemanden enttäuschen, weshalb ich mich immer sehr anstrengte. Ich hatte Angst vor dem ersten Mal zur Beichte zu gehen und dem Pfarrer „meine Sünden“ zu gestehen. Vor Scham wäre ich am liebsten im Boden versunken.

Heute, viele Jahre später, gibt es immer noch Ängste:vor Krankheiten oder dass jemandem, den ich liebe, etwas Schlimmes zustoßen könnte. Vor Unwetterkatastrophen, vor Terror und Gewalt. Ich habe Angst vor waghalsigen Abenteuern und vor allem Unbekannten - obwohl ich Menschen beneide, die das Abenteuer suchen und sich nichts dabei denken. Ich habe Angst vor der Zukunft, die ich zwar mitgestalten kann, aber auch unberechenbar daherkommt und mich herausfordert. Ich habe Angst um Freundschaften, dass ich sie verlieren könnte, weil ich zu wenig Zeit für sie habe. Auch Angst vor dem Älterwerden und den damit verbundenen Einschränkungen. Dass Träume zerplatzen und Angst davor, Wichtiges unwiederbringlich zu verlieren.

Doch ich spüre, dass mich das Leben stärker hat werden lassen. Die Angst, an all diesen Herausforderungen zu scheitern, diese Angst habe ich mit viel Hilfe und Gottes Segen überwunden. Weder Hilflosigkeit noch Hoffnungslosigkeit können mich umwerfen. Und wenn doch - dann stehe ich wieder auf.

© Monika Bayerl