Als Kind hatte ich Angst

vor dem Krampus

mit seiner finsteren Maske

und der drohenden Rute.

Vor der Dunkelheit

und vor der Nacht -

allein zu sein,

mit meinen Sorgen

die mich wach hielten

und nicht schlafen ließen.

Ich hatte Angst vor

dem Kranksein,

wenn ich allein

im Zimmer bleiben musste.

Ich hatte Angst davor,

dass meiner Mama etwas

zustoßen könnte,

dass sie nicht mehr nach

Hause kam,

so wie mein Papa,

der krank und verzweifelt

gewesen war.

Ich hatte Angst vor

Diskussionen und Streit,

vor wütenden Gesichtern,

harten Worten

und lauten Konflikten.

Ich hatte Angst

vor der Einsamkeit,

in die ich floh,

weil ich mich zurückzog.

Ich hatte Angst

vor Langeweile

und vor dem Nichtstun.

Mit fünf hatte ich

schreckliche Angst davor,

mich von meiner

Mama zu verabschieden

und allein im Kindergarten

zu bleiben. Angst vor der Trennung,

auch wenn sie nur für

ein paar Stunden war.

Ich hatte Angst vor

dem Hund hinter dem Gartenzaun,

der immer bellte,

wenn ich am Nachbargrundstück

vorbei ging.

Ich hatte Angst vor Gewittern

und heftigem Sturm,

vor dem Hagel,

wenn er niederprasselte

und gegen die Scheiben knallte.

Ich hatte Angst davor

nicht mithalten zu können

mit meinen drei großen Brüdern,

die ich bewunderte,

die stark und klug waren.

Ich hatte Angst vor dem ersten Mal

zur Beichte zu gehen

und dem Pfarrer „meine Sünden“

zu gestehen.

Vor Scham wäre ich am liebsten

im Boden versunken.

Ich hatte Angst davor

meine Mama zu belasten

und zu enttäuschen,

weshalb ich mich immer

sehr anstrengte.

Heute, viele Jahre später,

gibt es immer noch Ängste

zum Beispiel

vor gefährlichen Krankheiten.

Angst, dass jemandem,

den ich liebe,

etwas Schlimmes

zustoßen könnte.

Angst vor Unwetterkatastrophen

und manchmal

auch Angst vor Terror und Gewalt.

Ich habe Angst

in einem Lift oder einer Seilbahn

stecken zu bleiben.

Und es gibt Tage

da habe ich Angst vor der Angst.

Immer noch habe ich Angst

lange alleine zu sein,

besonders nachts,

oder an einem fremden Ort.

Ich habe Angst vor

waghalsigen Abenteuern,

vor Fernreisen, Flugreisen

und vor allem Unbekannten -

obwohl ich Menschen beneide,

die das Abenteuer suchen

und sich nichts dabei denken.

Ich habe Angst vor der Zukunft

die ich zwar mitgestalten kann,

die aber auch unberechenbar

daherkommt und mich

herausfordert.

Ich habe Angst um Freundschaften,

dass ich sie verlieren könnte,

weil ich zu wenig Zeit für sie habe.

Auch Angst vor dem Älterwerden

und den damit verbundenen

Einschränkungen.

Vor der Enttäuschung

nicht mehr alles zu können,

dass Träume zerplatzen

und Angst davor,

Wichtiges unwiederbringlich

zu verlieren.

Doch ich erkenne,

dass mich das Leben

stärker hat werden lassen.

Die Angst, an all diesen

Herausforderungen zu scheitern,

diese Angst habe ich

mit viel Hilfe und

Gottes Segen überwunden.

Weder Hilflosigkeit noch

Hoffnungslosigkeit können

mich umwerfen. Und wenn doch-

dann stehe ich wieder auf.

© Monika Bayerl