ausbalanciert

Barfuß auf der blauen Matte stehe ich. Großzehenballen, Kleinzehenballen, Ferse. Kontakt zum Boden, der mich trägt.

Richte mich auf, nehme einen stabilen Stand ein. Beuge die Knie, ziehe den Bauchnabel nach innen. Stelle mir vor, wie mein Brustbein noch vorne oben wächst. Lasse die Schultern nach hinten sinken. Mein Brustkorb öffnet und weitet sich allmählich.

Mein Atem strömt, ich nehme sein Kommen und Gehen wahr. Konzentriere mich auf die Stimme des Yogaleiters. Er spricht ruhig und klar. Seine Worte leiten behutsam in die nächste Position.

Gleichgewicht auf einem Bein. Ich finde meinen Körperschwerpunkt.

Atmen. Tiefes Ein- und laaaaanges Ausatmen.

Ich fühle mich getragen, wackle ein wenig zur Seite. Meine Zehen balancieren kleinste Bewegungen aus. Finde meine Mitte, strecke mich lang. Im Rücken spüre ich ein angenehmes Ziehen. Wechsle auf das andere Bein.

Stille im Raum. Draußen vorbeifahrende Autos, Vogelgezwitscher.

Mir wird heiß vom Energiestrom, der durch meinen Körper fließt. Er kurbelt die Durchblutung an. Ich spüre meine Muskelkraft. Gebe mich der nächsten Bewegungsabfolge hin.

Fließend, mit ganz viel Ruhe und Achtsamkeit. Beim Einatmen weitet sich ein Raum in mir. Beim Ausatmen entspanne ich. Immer wieder. Die Wiederholungen im Atemrhythmus fallen leicht. Alles harmonisiert sich. Gedanken ziehen leise vorüber.

Meine Augen sind die meiste Zeit geschlossen. Ich bin auf meinen Atem fokussiert. Fühle die Luft meine Nasenflügel entlang strömen. Die Muskeln sollen behutsam gedehnt werden. Anspannen. Entspannen. Und dann komplett loslassen. Wie gut das tut.

Hineinspüren, was mein Körper noch braucht. Kiefer und Becken lockern. Die Wirbelsäule sanft mobilisieren. Auf den Fersen kniend, den Oberkörper nach vorne gebeugt, mit der Stirn den Boden berühren. Ich lasse mich fallen in die Stellung des Kindes.

In der Rückenlage lege ich meine Schultern und die Arme auf. Die Handflächen zeigen nach oben. Immer tiefer sinke ich in die Matte. Lausche der Vibration der Klangschale.

Tiefes Ein- und laaaaanges Ausatmen.

Im Augenblick hier und jetzt. Bewusstes Sein. Befriedet. Gereinigt. Klar.

Ich finde mich wieder, bin zentriert und dankbar dafür.

© Monika Bayerl