Bei Nacht und Nebel

„Sagt mal, seid ihr komplett übergeschnappt? Ihr könnt doch nicht mit eurer kleinen Schwester ins Freibad einbrechen? Und das auch noch bei Nacht und Nebel!“ Mama war sauer. Verständlich. Haben wir ihr doch (zumindest im Nachhinein) große Sorgen gemacht.

Alles begann mit einer blöden Idee. Das LEPI - eigentlich Leopoldskroner Freibad - ist doch immer so überfüllt. Gibt ja nicht so viele Freibäder in der Stadt. Wie Sardinen liegen die Badegäste auf ihren bunten Handtüchern nebeneinander. Das Reinspringen vom Beckenrand ist sowieso verboten und wäre lebensgefährlich. Nasse Wuschel-, Fransen- oder Glatzköpfe überall, da bleibt kein Platz für weit ausholende Manöver oder Sprungakrobatik.

Obwohl wir Kinder gern an der Saalach Staudämme bauten und uns im Flusswasser abkühlten, zog uns das LEPI magisch an. Dort gab es Pommes, Eis oder eine Partie Minigolf und einen Sprungturm für die Mutigen.

Irgendeines warmen Sommerabends war es soweit. Als Mitglied unserer streng geheimen Geheimbande durfte ich nichts von unserem minutiös geplanten Coup verraten. Mama war auswärts oder lag schon im Bett, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Jedenfalls wartete ich furchtbar aufgeregt im Zimmer bis mich gegen 23 Uhr Bruder Nr.3 an der Schulter rüttelte. Los ging’s.

In den Rucksack war für jeden ein Handtuch gestopft und dazu eine Taschenlampe, die war ganz wichtig! Wir schlichen raus, saßen auf und radelten los. Die kühle Nachtluft streifte uns. Bruder Nr.1 war unser Anführer. Beim LEPI Eingang duckten wir uns hinter die Hecke. „Wir müssen über das Eingangstor klettern“, zischte Bruder Nr.2 und zeigte es vor. Oh Gott! Mir graute bei dem Gedanken, dass wir etwas so Verbotenes machten. Aber feige Daheimbleiben galt auch nicht! Also Augen zu und durch. Irgendwie landete ich auf der anderen Seite. Wir waren drin, voll mit Adrenalin und leuchteten mit unseren Taschenlampen wie Agenten das Areal ab. Dort rechts hinter den Umkleiden… war da ein Geräusch gewesen? Licht aus! Psst! Wir hielten die Luft an. Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Fehlalarm, keine Gefahr. Geduckt auf Zehenspitzen liefen wir zum Becken, rissen uns die Klamotten vom Leib und sprangen völlig euphorisch rein. Wie sollte man da leise sein? Unser ekstatisches Glucksen, Lachen und Jubeln musste irgendwie raus! Für einen Augenblick fühlte ich mich schwerelos berauscht.

Es blieb ein kurzes Vergnügen. „Habt ihr das auch gehört?“, flüsterte ich panisch. Ob da andere heimliche Badegäste angeschlichen kamen? Bruder Nr.3 entschied: „Rückzug und zwar schnell!“. Zum Abtrocknen blieb keine Zeit, wir rafften alles zusammen und schauten, dass wir ungesehen davonkamen. So cool es auch war, aber erwischt zu werden war echt keine Option. Noch nie war ich so froh gewesen, wieder in Sicherheit zu sein!

Wie Mama am nächsten Tag dreinschaute, als meine Brüder ihr stolz von unserem Einbruch erzählten, das kann man sich vorstellen!

© Monika Bayerl