Blick ins Kaleidoskop

Ich trage alle Zutaten zusammen, sie sind farbig und bestehen aus meinen ureigensten Eindrücken und Gefühlen. Sie werden zu Silben, die sich in meinem Kopf versammeln, durch meinen Geist strömen, sich hin und her wiegen, wie die Wellen des Ozeans.

Mittendrin entsteht ein Bild, es nimmt Konturen an, verlässt mich wieder, bis es an einer anderen Stelle von neuem auf den Wogen schaukelt.

Wie ein Boot, das zu entfernten Ufern aufbricht und ich ahne noch nicht, wohin die Reise führen wird, wo und wie ich an Land gehen werde.

Die Silben bilden Wörter, die hervorgebrachten Wörter nehmen Anlauf, um Geschichten zu erschaffen. Aus Erlebnissen entspringen Texte und alle segeln sie durch meinen Kopf und meine Arme bis in die Fingerspitzen, um dort getippt zu werden.

Ich habe es auch mit mündlichem Recording versucht, doch ohne Hände könnte ich nicht schreiben. Erst sie sind das Instrument, das meine Gedanken-Melodien zum Klingen bringen.

Das sanfte Klicken der Tasten gibt mir eine vertraute Richtung an, alle zehn Finger vibrieren im Takt. Sie haben ein magisches Eigenleben und meine Augen staunen über jedes schwarze Zeichen, das auf dem blanken Weiß erscheint.

Vor mir liegt eine aufregende Landschaft, die mich fasziniert und langsam aus dem Nebel taucht.

Ich will mich umsehen, auf Entdeckungsreise gehen und mich lebendig fühlen. Ein leuchtendes Farbenbad nehmen, mit der Sprache spielen und sie verkosten, bis ich satt und zufrieden bin.

So wird Vergangenes gegenwärtig, Vages konkret und mein eigenes ich zum du. Ich höre zu, in freudiger Erwartung, was es zu sagen hat. Dann tauche ich in den Fluss des Erzählens ein, worin alles andere für den Moment bedeutungslos versinkt.

Mein Kompass ist mein Herz, ich erfühle seine Stimmung, lasse mich ein und öffne ihm den Raum, den es jetzt füllt. Mit Schätzen der Erinnerung, die aufbrechen, durcheinander purzeln, sich annähern, spiegeln und berühren. Als wären sie funkelnde Edelsteine, geschliffen, um Licht und Leben zu reflektieren.

Sie lassen kostbare Abdrücke und Mosaike entstehen, erfassen meine Seele in ihrer Ganzheit und bringen sie in Schwingung. Welches Geschenk! Das Innerste ins Außen zu gebären, damit es atmen und leben kann.

© Monika Bayerl