Die bunten Tage waren die schönsten

Heute würde es bunt werden. Leni spürte es. Nicht so weiß, wie alle anderen Tage: weiße Wand, weiße Bettwäsche, weißer Kittel. Sie verstand schon eine ganze Menge, obwohl sie noch sehr klein war, gerade mal drei Jahre alt.

Leni hatte immer schon ein fröhliches Herz gehabt, aber die Krankheit hatte es bleich werden lassen. Nur ausgewaschene Farbtöne, statt kräftiges Blau, Rot oder Gelb. Selbst Lenis Haut war blasser geworden. Es hing wohl mit den weißen Blutkörperchen zusammen, von denen die Ärzte ständig sprachen.

Vor ein paar Monaten war ihr Körper langsam schwächer und müder geworden. Nun lag sie hier auf der Kinderkrebsstation.

Aber heute war wieder ein bunter Tag. Leni wusste es, sobald die Tür aufging und ein kleiner roter Ball erschien. Hihi, endlich! Das konnte nur ein Doktor von der lustigen Visite sein.

Natürlich gab es auch die andere Visite, die ernst und sorgenvoll und meistens einfarbig weiß war… Doch am liebsten mochte Leni Doktor Tulpe mit der bunten Latzhose, darauf waren Blumen in allen Farben angenäht. Wenn er zu Leni ins Zimmer kam, leuchteten die Wände sonnengelb. Das war einfach ihre Lieblingsfarbe!

Durch den Türspalt konnte Leni schon einen hellgrünen Schimmer erkennen. Hinter der roten Clownsnase kamen grüne Wuschelhaare, eine Mandoline und ein alter Reisekoffer zum Vorschein. Diesmal waren sie sogar zu zweit und trällerten ein kleines Lied, das Leni gut kannte.

Vor Begeisterung hüpfte sie aus dem Bett. Dabei wäre sie fast über die riesigen Clownsschuhe von Dr. Mimi gestolpert. Mit einem weichen Tuch polierte die Frau Doktor erst ihre Schuhe, dann das Bettgestell und zu guter Letzt noch Lenis Hände. Das kitzelte, sie musste lachen.

Doktor Wuschelhaar war noch dazu sehr tollpatschig und ließ ständig etwas fallen. Leni half ihm gern dabei, alles wieder aufzuheben. Sie kicherte. Die bunten Tage waren einfach die schönsten.

Leni hat ihre Krankheit gut überstanden und ist heute fit und gesund. Mit ihrem vergnügten Herz, das wieder bunt und farbig ist, bringt sie mich oft zum Lachen.

Die ClownDoctors haben sie damals aufgemuntert, bei schwierigen Untersuchungen begleitet und nicht nur ihr, sondern auch den Eltern, Zuversicht und Freude geschenkt. Wie toll, dass es solche Menschen gibt!

© Monika Bayerl