Die kleine Schwarze hat's in sich

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Die kleine Schwarze hat's in sich | story.one

Es war ein kaltes, tief verschneites Winterwochenende. Wir planten einen Aufenthalt auf einer Selbstversorgerhütte im Lungau. Ich muss vorausschicken, dass wir in der Familie folgende Strategie entwickelt haben: Um alle unter einen Hut zu bringen wird schon Monate im Voraus ein Termin festgelegt. Es ist sehr praktisch, alle Geburtstagskinder des Quartals zusammenzufassen. So ergibt sich die lustige Situation, dass die Glückwunschkarten „heimlich“ reihum geschoben werden und jeder (außer dem Geburtstagskind) möglichst unauffällig seinen Beitrag ins Kuvert schiebt. Klappt immer wunderbar!

Selbstversorger zu sein bedeutet gute Planungsarbeit, wobei netterweise Strom und fließend Wasser zur Verfügung standen. Die vorausschauenden Schwägerinnen erstellten den Speiseplan und koordinierten die Einkäufe. Es gab die Fraktionen Brot/Gebäck (alle), Frühstücksbedarf (Bruder Nr.2), Getränke (Bruder Nr.1), Knabberzeug (Nichte+Freund), Chilli vorgekocht (Schwägerin Nr.2), Obst/Kuchen (Mama), Fridattensuppe (ich). Bruder Nr.3 hatte die geniale Idee: Er wusste, dass wir alle gern Kaffee trinken und seit diesen modernen Kapselmaschinen ist halt der Filterkaffee nicht mehr so hoch im Kurs. Auf eine Kiste mehr kam es nicht an und so landete die kleine Schwarze gut verpackt im Kofferraum.

Die Anfahrt zur Almhütte war bei dichtem Schneetreiben einigermaßen abenteuerlich. Das Matratzenlager wurde von den Kids in Beschlag genommen, während sich die Männer - no na - um das Feuer kümmerten. Die weiblichen Hände schlichteten die Lebensmittel in der Küche auf. Und da staunte ich nicht schlecht, als ich die Kaffeemaschine sah! Wie cool! Haha! Luxus auf der Alm. Naja, warum denn nicht? Wir grinsten und freuten uns auf das Frühstück.

Zerknautscht klettern wir am Morgen vom stickigen Almboden runter und sehnen uns nach einem Schluck aus der kleinen Schwarzen. Licht an, Katzenwäsche im winzigen Bad. Wer nichts zu tun hat, lüftet seinen Schlafsack, deckt den Tisch oder sucht seine verschollenen Socken. Endlich kann die Zubereitung starten: Aufheizen, Kapsel rein, Tasse in Warteposition und Wasser marsch. Ein tiefes, langanhaltendes Brummen bringt das Licht zum Flackern. Wie in Zeitlupe pumpt die Maschine, als läge sie in den letzten Zügen. Dann sitzen wir im Dunkeln, der ganze Wohnraum, zappenduster. WAS? Hat sie glatt die Sicherung geschossen? Sag mal, wie viel Watt braucht die? Rettung naht: Bruder Nr. 1, Nr. 3 und Sohn tigern raus zum Schuppen, wo das Stromaggregat steht. Es wird wild beratschlagt, was zu tun ist.

Wir zerkugeln uns derweil über die Aktion. Braucht man wirklich eine Kapselmaschine auf der Alm? Willkommen im modernen Zeitalter! Aber jetzt stehen wir entweder ohne Licht oder ohne Koffein da. Die ausgefuchsten Techniker legen eine Direktverbindung mit eigenem Stromkabel extra für die kleine Schwarze. So bleibt für die Beleuchtung genug Kapazität und wir können das Frühstück allesamt genießen.

© Monika Bayerl