Die Liebe meiner Eltern

Sie war etwas Besonderes. Sonst gäbe es mich nicht. Eine einfache Erkenntnis. Dafür umso schöner. Meine Entstehung habe ich einem zweifachen Eisprung zu verdanken und dass meine Eltern überhaupt zueinander gefunden haben.

Es war ein Ankommen im Herzen des einen Menschen, der auf einmal zum wichtigsten Wegbegleiter wurde. Ein gegenseitiges sich Zuwenden und Hineinblicken in die Schönheit der Seele des Anderen.

Meine Mutter erkannte ihn zuerst an seiner Hilfsbereitschaft, mit der er auf einer Wallfahrt entlang der Salzach den müden Fräuleins wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er war ein stattlicher, junger und liebenswerter Mann. Doch leider – wie das Leben oft spielt – momentan anderweitig vergeben. Sie sollte sich keine Hoffnungen machen, urteilten die Begleiterinnen.

Doch es gab ein Wiedersehen im Café Glockenspiel, wo ein dringliches Problem zu diskutieren war, ein Konflikt innerhalb der Katholischen Studierenden Jugend. ER und SIE waren beide involviert, jedoch gänzlich verschiedener Meinung.

Ein angeregtes Gespräch entspann sich, widersprüchlich, aber von Respekt und Neugierde begleitet. Im Austausch lag eine ungekannte Freude, denn sie waren bereit einander wirklich zuzuhören. So eröffnete sich eine gemeinsame Basis, ein fruchtbarer Grund.

Je länger sie sprachen, desto dichter und tiefgehender verwoben sich ihre Gedanken. Außenstehende haben vielleicht bemerkt, wie beide den Blick in ihr Innerstes zuließen. Sich ganz und gar aufeinander einließen.

Aus dieser Nähe wurde die Zuneigung geboren, die sie über viele Jahre – bis heute – begleitete. Meine Mutter fühlte sich besonders von seiner Freundlichkeit angezogen und dass er ganz wunderbar gesellig sein konnte.

Auch der Glaube hatte für beide etwas Verbindendes, gab ihnen Halt und gemeinsame Orientierung. ER schenkte ihr Geborgenheit und SIE baute mit ihm gemeinsam ein neues Zuhause.

Mein Vater sah in ihr die Frau, die ihn bedingungslos verstand und treu an seiner Seite stehen würde, egal wie schwer ihn seine Krankheit treffen würde.

So war es auch, bis zum Schluss und auch noch mehr als fünfunddreißig Jahre nach seinem Tod.

© Monika Bayerl