Faszination Feuer

Es übte schon immer eine große Faszination auf mich aus: das Feuer. Im Garten hatten wir einen tollen, kreisrunden Lagerfeuerplatz. Meine Eltern luden regelmäßig gute Freunde zu sommerlichen Gartenfesten ein. Sie waren legendär, besonders für uns Kinder. Ich habe den Duft nach heißem Steckerlbrot in der Nase und spüre noch das feuchte Gras zwischen meinen Zehen. Sobald die Sterne am Nachthimmel blinkten, waren wir in unserem Element. Wir hielten jeder einen Haselnusszweig geduldig in die Flamme, bis seine Spitze rötlich glühte. Nun fühlten wir uns wie Feuerschlucker, die mit ihren magischen Fackeln wunderbare Bilder in die Dunkelheit malten. Ich liebte das Prasseln der Flammen, das Knacken, wenn das Holz vor lauter Hitze zerbarst. Das tanzende Farbenspiel ganz in der Mitte des Feuers, ich konnte mich nicht daran satt sehen.

Winkl, St. Gilgen… dunkle Schatten flackern über die angespannten Gesichter der Teilnehmer. Sie stehen sich in zwei Reihen gegenüber, dazwischen breitet sich ein sechs Meter langer, glühender Teppich aus. Vor Aufregung knistert die Nacht. Zugleich bündeln sich alle Gedanken auf einen Punkt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Nach drei Stunden intensiver Vorbereitung und Konzentration ist es soweit: Der Feuerlauf beginnt. Tobias, der Seminarleiter, macht den Anfang. Entschlossen atmet er ein und setzt den ersten Schritt auf die brennend heiße Glut. Unbegreiflich… Wie kann eine nackte Fußsohle Temperaturen über 200°C ertragen? Binnen Sekunden ist er am anderen Ende angekommen, vollkommen ruhig und sicher. Abwechselnd folgen mutige Frauen und Männer seinem Beispiel. Irgendwann bin ich an der Reihe. Mein Herz klopft schier lauter als es möglich scheint. Dabei erinnere ich mich: Fokussieren auf das Ziel, der Angst begegnen, mit ihr hinübergehen. Die Dynamik der Gruppe trägt wie ein sanfter Windstoß vorwärts. Ich bin bereit und gehe los.

© Monika Bayerl