Flamme des Schicksals

  • 593
Flamme des Schicksals | story.one

Unentschlossen stand er vor dem Check-in Schalter am Flughafen Johannesburg. Fühlte sich hin- und hergerissen. Sehnte sich nach danach, S I E wieder zu treffen. Er war eigentlich auf dem Weg nach Salzburg. Wollte dort mit seiner Freundin, die er im Frühjahr heiraten würde, alles für die endgültige Auswanderung nach Johannesburg in die Wege leiten.

Doch Helen ging ihm nicht aus dem Sinn. Ihr anmutiges Wesen hatte ihn von Anfang an in den Bann gezogen. Damals bei ihrer ersten Begegnung. Das war vor ein paar Monaten gewesen, gleich nach seiner Ankunft in Durban.

Hinter ihm lag eine sechs-wöchige Reise auf dem Passagierschiff. Mit dem Zug bis Triest, von dort über das Mittelmeer, Zwischenstopp in Brindisi, auf den Kanaren und in Windhuk, Namibia. Zwischenzeitlich gab es so heftigen Seegang, dass er den Bug des Schiffes wie eine Walflosse mehrere Meter in die Tiefe drückte. Der Abenteurer hatte Glück und überstand die Turbulenzen ohne Seekrankheit.

Als er in Südafrika an Land ging, bestand sein Gepäck nur aus einem Koffer und einer Telefonnummer von seinem neuen Arbeitgeber. Der war aber nicht erreichbar. Also quartierte er sich im heruntergekommenen Hotel Akropola ein. Da stand diese junge, attraktive Frau und lud den schüchternen Europäer auf ihre Weihnachtsparty ein. Ein ungezwungenes Get-together mit jeder Menge hübscher Frauen. Die E I N E, Helen, blieb seine Flamme.

Er wusste, dass sie in Zürich auf ihn wartete und auch er wollte sie wiedersehen. Schließlich waren es noch ein paar Monate, bis er unter die Haube kam. Die konnte man nicht ungenützt verstreichen lassen. Also ein Ticket nach Salzburg, über Zürich mit der Swissair. „Da müssen wir aber Gebühren verrechnen, das wissen Sie?“, fragte die Dame vom Bodenpersonal. „Mit British Airways hätten Sie einen Flug über London nach Salzburg. Soll ich den stornieren?“ Ja, er hatte sich entschieden. Zuerst in die Schweiz zu Helen, dann würde er weitersehen.

Einige Stunden später am Flughafen Zürich.

Bilder auf dem Fernsehmonitor.

Das Schicksal schlug mit solcher Wucht ein, dass ihm die Luft wegblieb:

„Am 2. Oktober 1971 verlor die Vickers Vanguard (G-APEC) auf dem Flug 706 von London nach Salzburg über Belgien aufgrund von unerkannter Korrosion beide Höhenleitwerksflächen. Die Maschine war danach unsteuerbar und stürzte mit dem Bug voran senkrecht vom Himmel. Alle 63 Insassen wurden getötet. Unter den Toten waren auch der österreichische Rechtsphilosoph und Politologe Dr. René Marcic und seine Gemahlin Blanka.“*

Wie dankbar bin ich, dass mein Schwiegervater seiner Intuition gefolgt ist.

Hätte ich sonst diesen wunderbaren Mann an meiner Seite, der sein Sohn ist?

© Monika Bayerl 01.10.2019