Heiße Liebe

Sommer 2013. Ich voll im Brautfieber. Eine Woche vor der kirchlichen Trauung. Meine Trauzeugin strahlt: „Hast du gehört? Nächstes Wochenende wird 36 Grad heiß. Ein stabiles Hoch, super, was?“ Ich krieg die Panik: Hitze= Matschbirne= Schweißbad= Erschöpfung= Müdigkeit= Verdursten= Kreislaufkollaps!

„Aber du willst doch keinen Regen?“, wundert sich meine Freundin, als sie mein verstörtes Gesicht sieht. Wenigstens eine Woche Zeit, um mich darauf einzustellen. Mein Mann - die Gelassenheit in Person. Meine Schwägerin beruhigt mich am Abend vor dem Tag X mit einem Blubberwasser für die Nerven. Wird schon schiefgehen!

Frühmorgens sitze ich bei meiner Frisörin und schwitze. Sie noch mehr, weil für meine Hochsteckfrisur (wie sie mir nachher erzählt) fünfunddreißig Nadeln herhalten müssen. Hält aber tiptop! Meine Mama ist an meiner Seite und hilft mir ins Brautkleid. Was für ein Glück, dass ich ein kurzes Modell habe.

Mein Schatz und ich werden vom Schwager zum Fotoshooting nach Mattsee chauffiert. Die drei Männer schwitzen extrem: In voller Montur mit Hemd, Gilet und Sakko. Und ich vor Aufregung. Wir halten eineinhalb Stunden durch, dann wird die Hitze unerträglich, wir schmelzen dahin. Kurz durchschnaufen. Jetzt wird’s ernst. Vor dem Kirchenportal warten unsere lieben Gäste. Ich muss lachen, drängen sich doch hundert Leute in den schmalen Schattenstreifen unter dem Vordach. Der restliche Platz – einsam und leer. Der Pfarrer schwitzt unter seinem Messgewand.

Vor dem Altar sitzend wallt die Hitze durch meinen Körper, Auflösungstendenzen! Trotzdem ist das Ja-Wort wunderschön… und die Musik erst! Nach der Trauung bitte ein großes Gemeinschaftsfoto auf der Seebühne! Die Sonne knallt, die Gäste stöhnen, aber das Foto wird genial! Alle lachen vor Erleichterung, dass es gleich vorbei ist.

Im Schloss Mattsee laden wir danach zum Sektempfang. Das Mineralwasser wird knapp, wir trinken die Flaschen literweise leer. Wer kann, drängt sich in den dick gemauerten Tassilosaal, wo die Temperaturen erträglicher sind. Uns beiden geht’s genauso. Aber die Freude über die Glückwünsche ist riesengroß. (Umarmungen fallen wegen der 36 Grad sehr kurz aus). Irgendwann blende ich alles aus und genieße das Fest. Der Blick über den strahlend blauen Mattsee mit den weißen Segelbooten entspannt mein Gemüt.

Langsam wird es Zeit für’s Abendessen. Da wundern wir uns: Wo sind unsere Freunde geblieben? Ein Teil der Gäste hat sich sprichwörtlich in Luft aufgelöst. Hat jemand irgendwen gesehen? Nein? Etwas verspätet tauchen Konrad & Co fröhlich und zufrieden am Brauttisch auf.

Hey, wo wart ihr die ganze Zeit? Sie waren zur Abkühlung nur schnell schwimmen gegangen. Wie beneidenswert! Zum Dessert wird Vanille-Eis mit kaltem Fruchtsalat serviert. Aber Heiße Liebe hätte auch gepasst!

© Monika Bayerl