Komischer Verkehr

Was einem auf Reisen alles passieren kann! Zuerst dieser verrückte Lenker, der mitten auf der mit Pkw zugeparkten Straße mit seinem Kleinbus rückwärts schiebt und dabei fast einen dattrigen Alten über den Haufen fährt, der dir geradewegs auf der Fahrbahn entgegen kommt. Was zum Teufel?

Aaah! Damit das größte Unglück verhindert wird, drückst du mit aller Gewalt auf die Hupe und weichst nach hinten aus. Pech, dass dort schon ein anderes Fahrzeug auf die Weiterfahrt wartet. Das gibt ein knarzendes Geräusch. Schei... hoffentlich sitzt da kein unguter, nachtragender Mensch am Steuer. Aber wie der fachkundige Blick zeigt, ist das Schlimmste nicht eingetroffen. Lediglich ein Abdruck auf der rückwärtigen Stoßstange. Glück gehabt, du entschuldigst dich, obwohl ja eigentlich der Kastenwagenfahrer schuld an der brenzligen Situation ist. Der Alte grinst dich mit seiner Zahnlücke an und überquert unversehrt die Fahrbahn.

Einen Tag später schlenderst du mit deinem Schatz Arm im Arm vom Abendessen an der Promenade zurück ins Hotel. Satt und zufrieden, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, Urlaub ist einfach schön. Doch was dich im Hotelzimmer erwartet, ist es auf keinen Fall. Quer über deine Toiletttasche, den Koffer und die hübschen Sommersandalen führt die prächtigste Ameisenstraße, die du je gesehen hast, und setzt sich über die Mauerritze bis zum Teppichmuster in der Mitte des Raumes fort. Netterweise sind die meisten dieser Krabbeltiere auch noch geflügelt und erkunden deine weiße Bettwäsche, auf der du dich gerade müde ausstrecken wolltest. Aarrggg!

Entschlossen und vereint tretet ihr dem Hausherrn hinter der Bar entgegen und bittet um dringende Hilfe. Seine Augenbrauen sprechen Bände. Wieder so zimperliche Touristen! Ameisen haben jetzt halt auch Saison. Natürlich hat man Insektengift vorrätig, das großzügig verteilt wird. Beim Anblick dieser barbarischen Invasion wird jedoch selbst dem erfahrenen Einheimischen ein wenig mulmig zumute.

Um dem Todeskampf nicht beiwohnen zu müssen, verzieht ihr euch für eine halbe Stunde auf die Terrasse. Dort werdet ihr, wegen der Unannehmlichkeiten, mit einem entschuldigenden Lächeln auf einen Drink des Hauses eingeladen. Nächtens herrscht dann Ruhe und Frieden. Herrlich. Bei Tageslicht erkennst du den mit Leichen übersäten Friedhof - kein schöner Anblick. Die Beerdigung findet mit Hilfe des vom Zimmerpersonal bedienten Staubsaugers seinen Höhepunkt.

Den Cappucino zum Frühstück genießt du jetzt dafür in vollen Zügen.

© Monika Bayerl