Mein Ski-Theater in fünf Akten

1.Akt

Klein-Moni soll das Skifahren lernen

Ich war sechs Jahre alt und bei einem Skikurs auf der Erentrudis Alm angemeldet. Man hält es kaum für möglich, aber dort gab es tatsächlich mal einen kleinen Lift. An dieses Ungetüm kann ich mich wahrhaft gut erinnern: Ein dickes, sperriges Seil, an dem schwarze Bügel wie Drachenzähne hingen um mich brutal umzureißen. Ich sagte diesem abscheulichen Gerät den Kampf an und klammerte mich mit meinen dünnen Ärmchen fest. Aber der Feind war erbarmungslos. Er warf mich ab, wieder und wieder. Wie ich dieses Ding verabscheute. Bereits am ersten Tag mutierte ich zu Klein-Rumpelstilzchen. Die restlichen Tage fielen einer wohltuenden Amnesie anheim.

2. Akt

Böser böser Steilhang!

Als ich in der Unterstufe auf Schulskikurs nach Wagrain fuhr, war ich wieder motiviert, scheiterte jedoch kläglich am ersten Schlepplift. Die Lift-Trasse war so steil, dass meine Freundin und ich schon auf den ersten Metern w.o. gaben. Wir stolperten immer an derselben Stelle über unsere Ski, hechteten links und rechts ins Unterholz und kamen auf allen vieren irgendwo anders wieder raus. Kein Plan, kein Bock, Rumpelstilzchen lässt grüßen. Nach nervenaufreibendem Training und drei Tage später kam ich – wie durch ein Wunder – sogar oben an.

3. Akt

Zauchensee für Pädagoginnen

Wer hätte es für möglich gehalten? Meine Erfolgskurve zeigte beständig nach oben. Man hielt mich anscheinend für so begabt, irgendwann einmal kleine Kinder auf der Piste zu trainieren. Naja, Pflugbogen war mir ja mittlerweile in Fleisch und Blut übergangen. Bogerl links und rechts konnte ich echt im Schlaf. Also los! Doch die Gruppeneinteilung war ernüchternd: Fast alle meine Studienkolleginnen kamen aus dem Pongau und fuhren auf Skilehrerniveau. Die Mindestanforderungen konnte ich trotzdem bestehen.

4. Akt

Fahr schneller, Frau Lehrer!

Die Berge riefen mich: Mein erstes Dienstjahr verbrachte ich an der Volksschule Untertauern (von der ich nicht einmal wusste, dass es sie gab). Was liegt in diesem Ort näher, als den Turnunterricht auf die Piste zu verlegen? Jeden Montag brachte uns der Skibus rauf zum Obertauern und ich gab mein Bestes. Wirklich, ich schwöre! Ich packte meine besten Schwünge aus, um mich nicht zu blamieren. Aber das Leben war ungerecht. Seppi, 8 Jahre alt und Mitglied im Skikader, rief mir ungeduldig zu: „Jetzt fahr halt endlich schneller, Frau Lehrer!“

5. und letzter Akt

In einem letzten Anflug von Ehrgeiz schnallte ich mir sogar freiwillig die Brettln an. Skifahren war eh ganz lustig, ich durfte nicht so selbstkritisch sein. Zum Trotz löste sich auf der Rückfahrt mein Ski vom Dachträger, krachte direkt vor mir in den Graben und brach mittendurch. Das Schicksal wollte es so.

Da habe ich auch noch einen gebürtigen Südafrikaner geheiratet, dem das Skifahren nicht in die Wiege gelegt wurde. Wir zwei Helden auf der Piste? Besser nicht. Uns findet man auf der Langlaufloipe – beim Skaten. Ein wunderbarer Wintersport…

© Monika Bayerl