Moules spéciales

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Moules spéciales | story.one

Ein bisschen spéciale fühlte ich mich an der Côte d’Azur. Blitzblank und mondän die Gegend, Prunk und Protz lässt grüßen. Wir zuckelten mit unserem Fiesta die Prachtstraßen entlang und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Yachten so groß wie Häuser lagen in der Mole. Schicke Cruiser auf Hochglanz poliert. Riesige Boote kreuzten vor der Küste auf und ab. Ein Bild, in das wir (mitsamt dem kleinen Flitzer) irgendwie nicht passten. Aber faszinierend zugleich.

Nizza brachte mich zum Schwärmen, allein schon wegen des Blicks auf das Mittelmeer. Weiße Sandbuchten, eine schöner als die andere, strahlten mit dem türkisen Ozean um die Wette. Wir blieben jeweils ein paar Tage in Antibes, Hyères und La Ciotat und klapperten die hübschesten Orte der Region ab.

Kulinarisch ließen wir uns total verwöhnen. Moules-frites schmeckten sensationell. Obwohl ich vorher noch nie Muscheln gegessen hatte, fand ich sie sehr gut. Entweder in Tomatensud oder in Weißwein-Sahnesauce gekocht. Wir fanden es lustig, dass man sie mit einfachen Pommes servierte. Einmal probierte ich auch Bouillabaisse, traditionelle Fischsuppe, sie hatte einen feinen Geschmack. Unsere dürftigen Französisch Kenntnisse brachten uns zwar keinen Preis ein, aber um eine Bestellung aufzugeben, reichten sie gerade.

Besonders verlockend fanden Immanuel und ich die Crêperien. In jedem Park, an jeder Strandpromenade lockten sie mit Zimt- und Zuckerduft. Wir konnten einfach nicht daran vorbeiziehen ohne eine sündhaft teure Nutella Crêpe zu genießen. Zur Abwechslung auch mal mit Banane, Vanilleeis oder Gran Marnier Likör. Weiter ging die Tour bei prächtigem Wetter in westlicher Richtung, bis ins Naturschutzgebiet der Carmargue, Endstation St. Maries de la Mer.

Nachdem wir uns beim Paddeln einen ordentlichen Sonnenbrand eingefangen hatten, verbrachten wir den letzten Abend am Strand. Ein typisches Fischrestaurant versprach Köstlichkeiten aus dem Meer, frisch zubereitet. Gäste am Nebentisch hatten eine große, gemischte Platte mit allerlei bunten Muscheln und Meeresfrüchten vor sich stehen. Die wollten wir auch essen. Gekühlter Wein wurde serviert, ich war in ausgelassener Stimmung.

Bis ich Kontakt mit der ersten Auster aufnahm. War die glitschig! Und schwamm in einem Meer aus Salz ertränkt. Ein wabbeliges Ding, farblos noch dazu. Mit Überwindung rutschte es durch meinen Rachen und verschwand. Oje, du meine Güte! Hätte ich das vorher gewusst! Mit einer Portion Skepsis gab ich Auster Nummer zwei eine Chance. Igitt! Dann kapitulierte ich mit flauem Gefühl im Magen. Mein Mann war auch nicht besser dran. Mehr als die Hälfte unsere Spezialitätenplatte (inklusive fiese Schneckenkost) ließen wir unberührt. Gegarte Moules schmecken halt doch ganz anders als rohe Austern.

Was lernt der Mensch daraus: Man muss nicht alles haben…

© Monika Bayerl