Nach Perlen tauchen

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Nach Perlen tauchen | story.one

Selten setze ich mich hin und tue gar nichts. Aber immer, wenn ich es tue, durchströmt mich diese Kraft.

Eine Hand, die rechte, berührt meine Stirn. Die linke Hand liegt auf meinem Brustbein. Ich atme langsam ein und aus. Eine einfache Achtsamkeitsübung, um mit sich selber in Berührung zu kommen. Ruhe finden in sich selbst. Sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht.

Reize überfluten uns tagtäglich ohne unsere Einwilligung. Gespräche, Sorgen, Bilder, Geräusche, Pläne und Erinnerungen durchmischen sich mit unseren Gedanken. Lassen uns verwirrt, gestresst oder verspannt zurück.

Klarheit wird zum kostbaren Gut. Die Frage nach uns selbst wird hintergründig, oftmals geht sie in den Fluten unter.

Ein Fischer wirft seine Angel aus, schaut auf das Wasser und wartet. Warten braucht Zeit. Zeit, die wir im Alltag selten entbehren können oder wollen. Aber das Warten lohnt sich.

Die Perlen tauchen mitunter aus dem Unterbewusstsein auf und lassen sich betrachten. Nicht immer haben sie konkrete Konturen. Manchmal scheinen sie fragil, sich wandelnd, transparent oder ein andermal farbenfroh.

Es kann auch vorkommen, dass sie uns fremd, nicht ganz geheuer sind. Dass sie unseren Mut herausfordern. Mit Glück ist ein großer Fang dabei. Einer, der dich tief in dein Innerstes blicken lässt, dir Antwort auf deine wichtigsten Fragen gibt.

Hinter meiner Stirn nehme ich ein hellblaues Fließen wahr, es fühlt sich leicht an. Mein Brustkorb weitet sich, als ob sich ein Regenbogen darüber spannt. Mit jedem Atemzug dehnt sich mein Herz aus. Es lacht und zieht mich mit Energie nach vorne.

Da ist ein stilles Einverständnis in mir. Ruhe, Zufriedenheit, ein lebendiges Pulsieren. Kann es tatsächlich sein, dass mein Herz mich führt? Und mein Verstand nur als helfender Geist meinem Herzen dient? War es bislang nicht umgekehrt? Halte ich gerade einen kostbaren Schlüssel in Händen?

In letzter Zeit habe ich überhaupt den Eindruck, dass wir zwei uns gut verständigen können, meine innere Stimme und ich. Dass ich mir selbst vertrauen kann. SELBSTVERTRAUEN. Ein schöner Begriff.

Wie wäre es, wenn alle Menschen

ihrem Herzen folgen könnten?

Wenn alle Bedingungen

dies möglich machten?

Wenn jeder

die Chancen dazu hätte?

© Monika Bayerl