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Fesche Pedalritter

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Fesche Pedalritter | story.one

„Des beißt in die Oberschenkel! Bist du gscheit, des ziagt!“ Wir steigen in die Pedale, es geht zach den Berg rauf. Obwohl - Berg ist es gar kein ganzer. Eher eine Erhebung in der Landschaft. Wurscht, weil das Strampeln trotzdem wehtut. „G ‘sund is des… sehr g’sund!“ - „Woaß i eh!“

Andere Radelwütige kommen uns entgegen. Logisch, bei dem herrlichen Wetter! Manchmal wird’s eng am Radweg, der Mindestabstand ist gerade noch so gegeben. Wir könnten auf der Straße weiterfahren, dort ist deutlich weniger Verkehr. Leider pfeift Wind aus Südost und stemmt sich vehement gegen uns. „Geh, schleich di, verdammt!“ Bleibt auf den Rückweg zu hoffen.

Deutlich schneller und angenehmer verläuft die Heimfahrt, dem Rückenwind sei Dank. Mein Personal Trainer hat mich in den letzten zwei Wochen auf Vordermann gebracht. Ich bin endlich wieder fit wie ein Turnschuh. Was mich antreibt, sind die frische Luft und die figurstraffenden Begleiterscheinungen.

Man muss nämlich wissen, ich finde Athleten auf dem Fahrrad figurtechnisch sehr attraktiv. Noch besser sogar die Triathleten, eine Augenweide! Bei uns im Trumer Seenland komme ich alljährlich in den Genuss sie live zu bewundern.

Zuerst pflügen sie kraulend durch den See, rennen anschließend barfuß und triefend zur Wechselstation, um sich dort auf‘s Rennrad zu schnallen. Jetzt rasen sie im Affentempo den Haunsberg hinauf, über den Höhenrücken, stürzen sich todesmutig wieder hinunter, kratzen in Seeham die Kurve und umrunden anschließend den See, als wäre nichts dabei.

Zusammen mit vielen anderen Schaulustigen stehen wir applaudierend an der Absperrung und feuern sie an. Wie man nach dieser Höchstleistung noch einen einzigen Schritt laufen kann, bleibt mir ein Rätsel. Aber diese Sportler wollen es wissen! Egal ob Hitzewelle oder schwerer Regenguss, die Triathleten hauen sich nach mehreren Kilometern, die sie laufend zurücklegen, komplett erschöpft ins Ziel. Einfach bewundernswert! Alle Sportlerinnen des weiblichen Geschlechts seien hier ebenso erwähnt, ihre Leistung ist sensationell! Die männlichen Pedalritter ziehen mich halt mehr in ihren muskulösen Bann…genau mein Geschmack!

Ein blöder Vergleich, aber im Gegensatz zu diesen Topstars fühle ich mich wie eine Schnecke auf zwei Rädern. Wäre es möglich so eine atemberaubende Beschleunigung selbst zu erleben?

Ich wollte dem Feeling auf die Spur kommen: Ein E-Bike musste her, ausgeliehen im Tourismusbüro, als der Trend zur Elektromobilität erst im Aufkeimen war. Ich freute mich wie ein Kleinkind und jagte durch die Landschaft.

Das Schilf raste an mir vorbei, der Waldboden überholte mich von der Seite und mein Hirn vermisste den gewohnten Widerstand. Wo war die eigene Anstrengung, das Schnaufen, das quälende Brennen in den Beinen? Zu meiner Überraschung ging mir die Fahrt viel zu schnell! Runter vom Gas. Schauen und genießen. Das hat auch was.

© Monika Bayerl 05.04.2020

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