Raumschiff Fantasy

„Achtung, Kommander, ein fremdes Raumschiff nähert sich. Was sollen wir tun?“

„Drück den roten Knopf, das ist die Raketenabwehrkanone. Feuer!“

„Hurra, Treffer! Wir haben die Feinde besiegt! Und jetzt?“

„Jetzt fliegen wir weiter in die traumhaft schöne Galaxie Alpha 700. Wir schalten um auf Energiesparmodus.“

„Muss ich den grünen Knopf drücken oder den hellblauen?“

In der Aufregung verlier ich manchmal den Überblick. Mein Bruder ist immerhin dreieinhalb Jahre älter als ich. Der kennt sich aus. Den kann ich sowas immer fragen. Er hat auch viel Geduld mit seiner kleinen Schwester. Selbst wenn ich eines seiner Legobauwerke demoliere. Da gibt’s dann schon mal Ärger, aber der hält nie lange an.

Unser Raumschiff ist jedenfalls das beste des gesamten Universums. Es besteht aus einer Matratze, die in unserem geschwisterlich geteilten Stockbett liegt (mein Bruder oben, ich unten). Ein paar bunte Tücher schirmen uns gegen kosmische Strahlen ab. Im Inneren herrscht knisternde Atmosphäre. Der Lichtstrahl einer Taschenlampe beleuchtet unseren Bordcomputer: Stecknadelknöpfe in allen Farben, geometrisch exakt angeordnet. Wir tragen einen Weltraumanzug, der uns vor allen Bedrohungen schützt: unser Nachtpyjama.

Sobald wir beide aufgewacht sind, klettert mein Bruder die Leiter runter und hüpft zu mir ins Bett. Die Startvorbereitungen beginnen. Alle Knöpfe, Schalter und Hebel werden überprüft. Batteriecheck ebenso. Der Countdown ist das wichtigste: Zehn – neun – acht – sieben – sechs (wir schauen uns gespannt in die Augen) – fünf – vier – drei (vor Aufregung überschlägt sich meine Stimme) – zwei – eins – LOS! Mit vorgestülpten Lippen zünden wir den megalauten Raketenturboantrieb. Brrrrrrrummmmmmm! Raumschiff und Bordcomputer werden wild durchgeschüttelt. Zusammen legen wir uns in die Kurve! Unsere Mission: streng geheim.

Wird es einmal besonders gefährlich, kann ich mich jederzeit unter der Decke verkriechen. Aber mein Kommander sitzt ja neben mir. Milchstraße, mach dich bereit - wir sind schon unterwegs.

Irgendwann steckt unsere Mama den Kopf zur Tür herein: „Na, ihr zwei, wollt ihr nicht zum Essen kommen?“ Nö - eigentlich nicht... später vielleicht.

© Monika Bayerl