In seiner Berührung lag die ganze Welt

Sie hatten gerade ihren letzten Kram in Kisten gepackt und fuhren die Hauseinfahrt hoch. Ihre erste gemeinsame Wohnung wartete auf das junge Glück. Doch nicht nur die, nein, da standen Pauls Eltern und passten ihr Kommen ab. Wie die dreinschauten! Ein erschreckender Anblick, ärger als in der Geisterbahn.

„Was bildet ihr euch eigentlich ein, soviel unnützen Krempel anzuschleppen? Euch so breit zu machen, es ist schließlich immer noch unser Haus!" Eine Begrüßung so kalt wie ein Eisblock. Man hatte sie gewarnt, dass es schwierig werden könnte. Natalies Freunde waren besorgt gewesen: „Überleg dir gut, ob du das wirklich willst!" Und Pauls Kumpel hatten lapidar gemeint: „Na, das kann ja was werden..."

Jetzt war es ohnehin zu spät. Ihre Schwiegereltern in spe blockierten den gesamten Vorraum - mit offener Feindseligkeit, Argwohn und Skepsis. Das Misstrauen schrieb tiefe Falten in das Gesicht von Pauls Mutter. Was dieses junge Ding mit meinem Buben vorhat? Und schlimmer noch, mit den ganzen Möbeln, die jahrelang gute Dienste geleistet haben?

Paul wären vor Schreck fast die Kisten mitsamt Inhalt auf den Boden geknallt. Wenn seine Eltern diesen Ton anschlugen, fühlte er sich brutal hilflos. Gut, sie hatten vorab vereinbart, dass sie den Hauseingang gemeinsam nutzen würden. Nur für ein paar Jahre. Damit sie sparen konnten für ein Eigenheim. Aber dieses Drama hatte er nicht erwartet. Wie sollte er jetzt vor seiner Freundin das Gesicht wahren? Natalie fasste sich zuerst, setzte ein höfliches Lächeln auf und wuchtete Paul, die Kisten und sich selber vorwärts. Dabei versenkte sie im Geiste das mitgebrachte Geschenk für die Schwiegereltern in der Jauchegrube.

„Wir sind müde", murmelte Paul erschöpft. Dann knallte er die Tür ins Schloss. Eigentlich sollten sie dankbar sein, stattdessen kochte schäumend die Wut im Bauch. Paul sah es Natalie an, die Eruption stand kurz bevor, so gut kannte er sie schon. Die letzten zwei Wochen waren sie sich wegen seiner Eltern ständig in den Haaren gelegen. Dabei wünschte er sich einfach nur Natalie glücklich zu machen. Aber seine Sprache waren nicht die Worte, sie führten höchstens zur endgültigen Eskalation. Ein innerer Impuls ließ ihn handeln, obwohl es ihm schwer fiel.

Er wollte ihr den Halt geben, den sie brauchte. Nahm sie fest in beide Arme, lehnte ihren Rücken an seinen starken Brustkorb. Tief atmen, ein - aus. Während ihre Abwehr schmolz, kam auch Paul zur Ruhe. Beide erinnerten sich in diesem Moment, an das, was wichtig war. Verbundenheit, Liebe und zueinander stehen. In dieser kleinen Berührung lag die ganze Welt. Sie würden es schaffen. TROTZ aller Schwierigkeiten.

© Monika Bayerl