Über den Wolken…

Über dem ganzen Lungau erstreckt sich blauer Himmel, nur von einzelnen, weißen Wolken durchzogen, es ist der perfekte Tag. Am Flugplatz Mauterndorf hebt gerade eine kleine Propellermaschine ab. Die Turbinen singen, der Duft von Kerosin steigt ihm in die Nase. Wieder einmal kann er sich nicht sattsehen an den Starts und Landungen. Diesmal sind auch Segelflugzeuge in der Luft, steigen hinauf wie Albatrosse und ziehen ihre weiten Schleifen. Mein lieber Mann hatte immer schon den einen Kindheitstraum gehabt: er wollte gerne Pilot werden.

Beeinflusst durch seinen Großvater, der Offizier beim Bundesheer gewesen war, eine imposante Gestalt mit einem Faible für die Berge. Er besaß eine Tiroler Almhütte, im Sommerurlaub tauchten sie gemeinsam in das Leben in der wilden Natur ein. Dieser Opa konnte viele Geschichten aus der fernen Welt erzählen und zeigte seinem Enkel den Umgang mit Taschenmesser und Ferngucker. Allein schon seine Uniform war für Immanuel faszinierend. Als Fünfjähriger lieh er sich gern Jackett und Krawatte aus um selber ganz groß rauszukommen.

Auch die Uniform der Feuerwehr hatte es ihm angetan. Mit Tatü Tata rauschten bei jeder Alarmierung die roten Einsatzwagen die Nachbarstraße entlang. Sobald die Sirene ertönte, rannte Immanuel hinaus um beim Ausrücken der Tanklöschfahrzeuge live dabei zu sein. Mit dem Blaulicht lagen zugleich Spannung und Abenteuer in der Luft. So wie auf dem Flughafen, wohin ihn seine Eltern gerne mitnahmen. Unglaublich, dass diese Riesenvögel fliegen konnten! Jedes Manöver, die technischen Raffinessen der Maschinen, alles beäugte er ganz genau durch sein Fernglas.

Nun steht er wieder am Zaun und beobachtet wie die Flieger aus dem Hangar gezogen werden. Die Windfahne flattert nur leicht und ein Entschluss reift in ihm. Heute wird er abheben. Wie bei seinem ersten Flug mit sechs Jahren.

Zum Glück waren in den 1980ern die Sicherheitsbestimmungen noch nicht so streng. Also ließ man den Jungen ins Cockpit der Boeing schauen. Wow, so viele Schalter und Hebel und Knöpfe und Blinker! Eine Wunderwelt der Technik – hautnah! Die Welt von oben sehen, durch die Wolken tauchen, der Sonne entgegen, ein sensationelles Gefühl von Freiheit. Er konnte gar nicht genug vom Fliegen bekommen.

Doch von seinem Traum musste er sich jäh verabschieden. Seine Augen waren nicht in Ordnung, als Jugendlicher entwickelte er eine Fehlsichtigkeit, trug ab sofort eine Brille und war furchtbar enttäuscht. Berufswunsch Pilot? Abgehakt. Leider. Und was bleibt von seinem Traum? Ein wunderschöner Rundflug über die Salzburger Tauern.

Nicht alle unsere Träume erfüllen sich. Aber wir sollten nie aufhören uns dem, was wir lieben, hinzugeben und unserer Sehnsucht zu folgen.

© Monika Bayerl