unvermutet herzlich

Assisi - eine tolle Stadt: steingedeckte Häuser, keine Autos, verwinkelte Klostermauern und italienische Luft, die sich mit meiner Erwartung, Spannendes über den Heiligen Franziskus zu erfahren, mischt.

Reizvolle Blickwinkel in die Ebene unterhalb des Monte Subasio. Endlich sind wir hier! Sommerlicher Duft nach Wiesenkräutern und ein mächtiges Gewitter, das mit Getöse und schwerem Regen vorüberzieht. Ein Hotel, das dem Namen nach von Engeln betreut wird.

Doch schnell kommt die Ernüchterung: In ganz Assisi treffe ich nur auf Bewohner, die dem Fremdenverkehr überdrüssig sind. Unfreundlich, kurz angebunden, keine Herzlichkeit im Blick.

Tagsüber werden Unmengen an Touristen (wir sind ja selber welche…) widerwillig durch die Gassen geschleust. Verständlich auch, im August ist schließlich Hochsaison und die Hitze tut ihr Übriges. Kitschige Devotionalien hinter jedem Schaufenster, von denen ich schnell genug habe.

Wir sind ein wenig enttäuscht, mein Mann und ich, setzen uns in der Kapelle von San Damiano in eine Kirchenbank und lauschen der Stille. Wie gut das tut!

Auf einmal können wir etwas von der Gegenwart vergangener Tage spüren, später unter den alten Olivenbäumen zur Ruhe kommen, den Sonnenuntergang mit einem Glas Rotwein in der Hand genießen.

Tags darauf marschieren wir bergauf zur Einsiedelei delle Carceri, ein stimmungsvoller Kraftplatz im Grünen. Aber alles in allem bleibt es eine unterkühlte Begegnung an diesem eigentlich wunderschönen, warmen Fleckchen Erde. Nach drei Tagen heißt es Abschied nehmen und das abgestellte Auto wiederfinden.

Da trifft mich total unvermutet die schönste Begegnung der ganzen Assisi Reise. An einem stillen Ort, nämlich auf der Parkplatz-Toilette. Der Servicemanager ist zu einem Schwätzchen aufgelegt, spricht holpriges Englisch mit fremdem Akzent, streut dazu lachend italienische und deutsche Vokabel ein. Erzählt uns seine halbe Lebensgeschichte, offen und unverblümt. Neugierig ist er auch. Woher wir denn kämen und wie es uns gefallen hätte. Herzliches, echt gemeintes Interesse.

Ich bin so überrascht, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll. Dann wünscht er sich noch ein Foto zum Andenken. Ich sehe in sein freundliches Gesicht und bin bewegt, fast ein bisschen beschämt. Liegt nicht in der Einfachheit, die Franz von Assisi predigte, etwas ganz Großes?

© Monika Bayerl