Vom Wünschen und der Kraft des Feuers

Ich hatte einen Herzenswunsch, den ich dem Feuer übergeben wollte. Schon vor einigen Jahren schrieb ich ihn auf einen Zettel, faltete ihn und hielt ihn in eine Flamme. Die Asche blies ich hinaus auf den See und schickte meine Gebete mit. Die Zeit verging, aber mein Wunsch erfüllte sich nicht. Ich versuchte es mit Techniken der Imagination, fasste Mut und probierte alles, was in meinen Möglichkeiten stand. Irgendwann kam der Punkt der Entscheidung: weiter daran festklammern oder loslassen. Mein Herz und mein Verstand waren uneins. So viele unerfüllte Erwartungen hingen daran. Meine Lebensenergie war spürbar nicht mehr im Fluss sondern festgebunden. Je länger der Zustand anhielt, desto mehr Kraft kostete er mich. Ich sehnte mich nach Frohsinn und Freiheit. Wie schön wäre es, jeden neuen Tag wieder mit offenen Händen zu empfangen! Plötzlich war mir klar, was ich brauchte: Das Feuer, aber diesmal, um mir beim Abschied nehmen zu helfen.

Meine Familie unterstützte mich und war bei mir. Wir standen am frühen Abend auf dem Kraftplatz und schauten über die Felder bis hin zu den entfernten Berggipfeln. Gemeinsam stapelten wir die Holzscheite und entzündeten das Feuer, Tränen kullerten unablässig über meine Wangen. Es war ein schwerer Abschied. Das Bild meines unerfüllten Traums legte ich mittenhinein ins Zentrum der Hitze und sah dabei zu, wie es sich verwandelte. Endlich durfte etwas Neues beginnen. Ich war so riesig erleichtert, alle umarmten mich, lachten oder weinten mit mir. Die liebevollen und aufmunternden Worte sammelte ich behutsam. Wir standen zusammen und stärkten uns, bis die Energie nachließ und das Feuer ganz heruntergebrannt war.

Neun Monate später blicke ich zurück und bin dankbar. Es fühlt sich wie ein Fest an, das ich feiern durfte, ein Trauriges zwar, aber auch ein sehr Lebendiges. Etwas ganz Besonderes ist dabei sich zu entfalten... Das Leben überrascht uns eben immer wieder auf’s Neue.

© Monika Bayerl