25 Cent gegen eine glänzende Nase

Graz hat einen besonderen Reiz, Arkadengänge, belebte Plätze, ein südliches Flair. “Gehen Sie in der Annenstrasse spazieren...” heißt es im DKT-Spiel aus Kindertagen. Daran denke ich, als ich in der Annenstraße eine Parfümerie betrete.

Lächelnd schreitet eine bestens gepflegte, dezent duftende Enddreißigerin auf mich zu. Sie strahlt Kompetenz und Freundlichkeit aus, darum stelle ich vertrauensvoll eine intime Frage:

“Was könnten Sie mir gegen meine stets glänzende Nase empfehlen?”

Zielsicher holt sie einen schlanken weißen Tigel mit Schraubverschluss aus einem Regal. Mit verschwörerischem Ton preist sie den Inhalt als wahres Zaubermittel. Wird das feinkörnige weiße Pulver mit ein paar Tropfen Wasser vermischt, wandelt es sich in einen sensationell wirkenden Schaum, dringt tief in die Poren ein und erledigt dort seine hervorragende Arbeit. Bei täglicher Anwendung, so die Expertin, wird meine Nase nie mehr glänzen.

Ich wende den Tigel und betrachte schweigend für einige Sekunden den horrend hohen Preis.

Die Verkäuferin erfaßt geübt die Situation und startet durch: “Sie brauchen täglich nur eine haselnußgroße Menge. Ich kann Ihnen versprechen, dass sie mit diesem Inhalt ein dreiviertel Jahr auskommen werden. Das sind 9 Monate mit je 30 Tagen, also 270 Tage.” Sie rollt die Augen nach oben, als würde sie rasch kopfrechnen. “Pro Tag kostet Sie die Behandlung 25 Cent. Es ist das beste Produkt, das es auf dem Markt gibt.”

25 Cent pro Tag – und nie mehr eine glänzende Nase!

Gekauft, selbstverständlich.

Das japanische Purifying Silk Peeling Powder Zeug ist wirklich gut. Zwar glänzt die Nase ab dem späteren Vormittag immer noch, aber das mit dem dreiviertel Jahr hat dann tatsächlich gestimmt.

Was für eine verkäuferische Meisterleistung einer wahrscheinlich minder bezahlten Parfümerie-Mitarbeiterin! Dieser Dame gebührt die Position eines Sales Manager in einem Groß-Konzern - mit Prämie und Dienstwagen.

© Monika Bundt