Bewerbung anderer Art

In der Wiener Innenstadt geht klack-klack auf schnellen Stöckelschuhen vor mir eine fesche Endzwanzigerin die Gasse entlang. Die Laternen leuchten bereits, die Nacht ist angebrochen. Sie trägt über ihren Kurven ein rotgeblümtes Kleid, darüber eine kurze blaue Strickjacke. Ihr Blick geht suchend nach links, nach rechts. Was wird wohl ihr Ziel sein?

In der Gasse zeigen sich auf einer Seite Auslagen für die schönsten Waren. Auf der anderen Seite unbeleuchtete Lieferanten-Eingänge, eiserne Türflügel, Lagerräume.

Hier liegt auch der rückwärtige Zugang zu einem vornehmen Restaurant. Und der Hinterausgang der Küche. Für heute sind die Abendessen wieder einmal geschafft. Die Küchentür hinaus ins Freie ist geöffnet. Ein Koch lehnt erschöpft im Türrahmen und raucht eine Zigarette.

Die Schritte der Frau werden langsamer. Sie sieht die weiße Küchenkluft und bleibt stehen. “Hallo, haben Sie Arbeit?” Der Koch mustert sie kurz, dreht den Kopf hinein ins Küchenreich und ruft etwas. Ein Wort kommt zurück, er macht eine einladende Handbewegung. Die Frau lächelt ihm im Vorbeigehen zu und schlüpft hinein ins weiß dampfende Licht.

Für den Job einer Küchenhilfe braucht es keine zeitaufwändigen Bewerbungsbriefe, Lebensläufe, Referenzen. Arbeit ist zu vergeben - und jemand ist zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Tür.

© Monika Bundt