Die Nase erinnert sich

Das Panorama-Café im sechsten Stockwerk der Stadtbibliothek Salzburg ist ein besonderer Ort. Raumhohe gläserne Wände lassen den Rundumblick über die halbe Stadt und über die Berge schweifen.

Linkerhand zeigt sich die prächtige Basilika Maria Plain - die Geistlichkeit hat sich Jahrhunderte lang die schönsten Plätze gesichert. Weiter geht der Blick über den grünbewachsenen Gaisberg hinüber zum Mönchsberg. Obenauf thront der graue Klotz der Festung Hohensalzburg. Das Panorama endet beim Blick auf den massiven Riesen von Untersberg und auf einige der bayrischen Berge.

Neben meinem Kaffeehaustisch liegen die in der Bücherei ausgewählten Bücher. Neun Schätze kann ich heute nach Hause tragen – die pure Freude!

Und nun ein Espresso und ein Zwetschgenfleck.

Der Espresso kommt in einer dickwandigen Tasse mit dem roten Aufdruck einer österreichischen Kaffeedynastie. Ich mache den ersten Schluck, rieche das intensive Kaffee-Aroma – und erstarre!

Mit Macht überfällt mich die Erinnerung an einen Moment von vor einigen Jahrzehnten. Genau dieser Geruch, dieser Geschmack!

Eine Erinnerung an mich als dünnes, sommersprossiges Mädchen – auf Maturareise in Athen.

Erstmals in einer fremden Großstadt, erstmals „türkischer“ Kaffee, eingeschenkt aus einem kupfernen Stielkännchen. Der Genuss eines fremden, intensiven Geruchs und Geschmacks.

Auferstanden und wiederbelebt, Jahrzehnte danach, in einem Salzburger Café.

Mit einem kleinen Espresso.

© Monika Bundt