Ungeliebter Valentin-Strauss

Am 14. Februar ruft am frühen Nachmittag eine Gärtnerei an. Ein Blumenstrauss wird avisiert – ich bin freudig überrascht! „Sind sie in der nächsten Stunde daheim?“ „Aber sicher!“

Knapp danach steht eine junge Frau mit grüner Schürze an der Haustüre und überreicht ein langes, weiß eingepacktes Bündel. Sie erhält von mir zwei Euro in die Hand gedrückt und fährt weiter. Meine kugelige Blumenvase aus rotem Glas steht schon bereit. Neugierig wickele ich das lange Ding aus – was für eine Enttäuschung!

Eine Papageienblume von fast dreiviertel Meter Länge, gestützt von mehreren langen, violett gefärbten Holzstäbchen. Dazwischen rosa Gräser und einige rote Frühlingsblumen. Rundum lila Papierrüschen.

Ohne zu zögern kürze ich die Papageienblume auf die Hälfte, sie darf in einer schmalen Glasvase ins Bad. Die Holzstäbe breche ich übers Knie und entsorge sie samt dem anderen gefärbten Zeug im Müll. Übrig bleiben nur rote Tulpen und rote Freesien, die ich auf gleiche Länge schneide. Zufrieden trage ich die Vase mit den Frühlingsblumen ins Wohnzimmer und stelle sie auf den langen Esstisch. Der Anblick - eine Freude!

Endlich greife ich zum Kärtchen, das dem Strauß beiliegt und entziffere: „Für Frau Schinwald – mit lieben Grüssen Anni“. Wer ist Schinwald, wer ist Anni? Ich steh´ noch mit dem Kärtchen in der Hand, da läutet das Telefon. Mit gehetzter Stimme meldet sich die mir nun bekannte Gärtnerin.

„Gut, dass ich sie gleich erreiche. Ich hab´ zwei Blumensträuße verwechselt und bin in fünf Minuten bei Ihnen. Ich hol´ ihren Strauss wieder ab, sie kriegen einen anderen.“

Gleich an der Haustüre informiere ich sie, dass der ursprüngliche Strauß nicht mehr existiert. Dass ich ihn nach meinem Geschmack neu gestaltet habe und einiges auch fehlt. Sie folgt mir mit einem verpackten Blumenstrauss in der Hand irritiert ins Wohnzimmer und schaut entsetzt auf die Blumen in der Vase.

Meinen Vorschlag, einfach die Kärtchen zu tauschen, lehnt sie ab. Wickelt aus dem Papier einen Strauss weisser Tulpen und überreicht ihn mir. Holt aus meiner Vase die tropfenden roten Blumen, wickelt sie ins mitgebrachte Papier und verlässt mich kopfschüttelnd. „Das wird mir meine Chefin nicht glauben!“

Bei den weißen Blumen ein Kärtchen mit lieben Grüßen eines Verehrers.

© Mo Bundt