Rettende U-Bahn-Kontrolle

Endlich wieder Großstadt! Hier der Stock-im-Eisen-Platz beim Palais Equitable, dort Juweliere und Edelläden. Stimmengewirr aus Japan, Italien und Russland. Ich bin als Landei immer wieder beeindruckt von diesem internationalen Flair.

Jetzt aber hinab in die U-Bahn. Drei Sitze vor mir sitzt ein dunkelhaariger breitschultriger Mann und telefoniert mit voller Lautstärke in seiner Muttersprache. Das Wort „Landesgericht“ wiederholt er grimmig als einzig deutsches Wort. Die Haare sind perfekt geschnitten und gegelt, als Kinnbart ist als schmale senkrechte Linie rasiert. In einer Hand hält er gleichzeitig eine Getränkedose und ein Päckchen Zigaretten.

Er spricht immer lauter, wütender. Einige Fahrgäste drehen sich nach ihm um und blicken gleich wieder weg.

Ich erhebe mich von meinem Sitz, beuge mich zu ihm hin und lege den Zeigefinger an die Lippen. „Könnten Sie bitte ein bisschen leiser sprechen.“

Überrascht, mit offenem Mund, schaut er mich an. Hält das Handy eine Handbreit weg von seinem Ohr und antwortet laut in fließendem Wienerisch: „Halt den Mund, du schwanzlut..... Hure!“

Ich muß laut auflachen und setze mich wieder. Was für eine Ansage, was für eine Wortwahl!

Mein Lachen macht ihn wütend. Er erhebt sich ein wenig und meint drohend: „Oder soll ich zu dir kommen?“

Die Umsitzenden beugen ihre Köpfe, niemand sagt ein Wort.

In diesem Moment schiebt sich ein dunkel gekleideter massiger Mann neben mich heran. „Fahrscheinkontrolle, bitte!“

Ich spreche ihn sofort an: „Verzeihung – dieser Herr hier“ und deute auf den Mann, der inzwischen sein lautes Gespräch fortsetzt, „diesen Herrn hab ich gebeten, etwas leiser zu telefonieren. Und er hat mich dann – ich hole Luft - er hat mich dann schwanzlut.... Hure genannt“.

Ein zweiter Kontrollor gesellt sich dazu, nun bewegen sich beide hin zum Übeltäter.

„Haben Sie die Dame beleidigt?“

„Was ist, wollen Sie mir wegen der da - er schaut grimmig auf mich - Probleme machen?“

„Aussteigen!“ war die Antwort.

Bei der nächsten Station muss er tatsächlich aussteigen. Tritt am Bahnsteig an mein Fenster heran und fährt mit der Hand quer über seine Gurgel.

Jessas, Großstadt.

© Monika Bundt