Zu früh? Zu spät? Vom richtigen Zeitpunkt!

„Wenn er mich schon verlässt“ flüstert die Endfünfzigerin im Kaffeehaus ihrer Herzensfreundin zu „hätte er’s nicht schon vor zehn Jahren tun können? Jetzt hab´ ich doch keine Chance mehr auf dem Markt“.

Der Hinweis ihrer Freundin, dass der entfleuchte Ehemann ein Stubenhocker und Geizhals gewesen wäre, tröstet kein bisschen.

Mehr als ein bisschen kostet das exclusive Kochseminar, wie es als Geschenk für Hobby-Köche en vogue ist. Ein Freund erwartete sich von diesem Tag die Einweihung in unbekannte Kochgeheimnisse, wie Spezialsaucen oder exquisite Fisch-Rezepte.

Mit welchem banalen Rat startete der anerkannte Koch?

„Kochen heißt: einen genauen Plan machen, Ordnung halten auf den Arbeitsflächen und vor allem – rechtzeitig anfangen!“

Rechtzeitig in die Erde versenken heißt es auch für Blumenzwiebel. Damit sie sich im Frühjahr in prächtige rote und weiße Tulpen und in tiefblaue Hyazinthen verwandeln, stellen die Zwiebelchen nur eine Bedingung: sie wollen im September oder spätestens Oktober in die Erde!

Ein einziges Mal verschlief ich die notwendige Arbeit. Mich und meine Blumenzwiebel erwischte ein früher Schneefall. Pech gehabt, die Natur lässt mit sich nicht verhandeln.

Beim Apfelbaum geht es um Jahre! Mein Favorit ist der Rote Boscop. Das ist der rötliche Apfel mit der urig-rauen Schale und dem säuerlichen Geschmack. Mithilfe des Nachbarn fachmännisch eingepflanzt, bestellte ich nach einem Jahr einen Baumgärtner für den ersten Schnitt.

„Ein Roter Boscop, aha. Sinds eh geduldig mit dem Baumerl. Weil tragen tut er erst in fünf Jahren.“

Gut, dass ich noch keine achtzig bin. Und ja, nach fünf Jahren legte er los. Letzten Oktober musste ich sogar einige Äste mit Holzpfosten stützen. Es waren 81 gezählte Äpfel!

Das Bahnticket für eine Reise nach Amsterdam kostet heute – und nur heute! - 149 Euro. Warum so günstig? Rechtzeitig gekauft – das ist das Geheimnis.

Rechtzeitig! Wissen täten wir´s ja.

© Monika Bundt