Von Päulchen Panther & Mickey Maus

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Von Päulchen Panther & Mickey Maus | story.one

Eine große Box voller Erinnerungen! Gerade sind mir darin all die aufbewahrten Briefe meiner damals besten Freundin in die Hände gefallen. Ich begann einige zu lesen. Bereits in der Volksschulzeit in Wien-Floridsdorf hat unsere tiefe Freundschaft begonnen. Sie hatte es auch nicht leicht, da sie an Schuppenflechte litt. Wenn sie wieder mal so einen schlimmen Schub hatte, wurde sie von den anderen Schulkollegen/Innen wie eine Aussätzige behandelt. Schlimm! Doch wir waren noch so jung und da kann man noch kein Verständnis erwarten. Im Gegensatz zu ihnen hatte ich nie Berührungsängste. Ich war ohnehin nie eine, die mit der „Meute“ mitschwamm, sondern machte mir mein eigenes Bild.

Sehr berührt war ich nun nach einigen dieser Briefe. Viele noch aus der Schulzeit bis wir uns eines Tages nicht mehr so gut verstanden. Jede von uns entwickelte sich im Laufe der Jahre in eine andere Richtung. Prägend von all den Herausforderungen des Lebens. Heute kann ich viele Diskussionen besser verstehen als damals, am Ende unserer viele Jahre überdauernden liebevollen Freundschaft. Im Gegensatz zu meiner lieblosen Kindheit wuchs sie in einem behüteten Elternhaus auf. Etwas geschämt hat sie sich darüber, dass Ihre Mama und ihr Papa schon etwas älter waren. Andere dachten, es seien ihre Großeltern. Doch auch sie haben mich immer liebevoll behandelt, wussten sie gut Bescheid über mein Schicksal.

Bedauerlicherweise kam sie in eine andere Hauptschule als ich. Doch unsere Freundschaft hat weiterhin angehalten. Wir begannen uns Briefe zu schreiben. „Absender Päulchen Panther“ „An meine Mickey Maus“. Sogar mit Rätselaufgaben hat sie mich aufgeheitert. Zeichnen konnte sie schon damals – Wahnsinn! Ein Lichtblick an trüben Tagen. Traurige waren wir beide, als ich mit meiner Familie August 1980 ins südliche Niederösterreich gezogen bin. Zwar ein wunderschönes neues Zuhause, meine Schwester und ich bekamen ihr eigenes Zimmer, mit einem sehr großen Garten. Schweren Herzens musste ich mich von so vielen lieb gewonnen Freundschaften verabschieden. Versprachen uns, in Kontakt zu bleiben. Eventuell auch sich gegenseitig zu besuchen. Aus dem Leben aus dem Sinn, leider wurden diese weniger. Doch „Päulchen Panther“ blieb mir treu. Über viele Jahre bis nach meinem Burn-out im Jahr 2014. Danach gab es noch den einen oder anderen Schriftverkehr. Doch aufgrund meiner schwierigen Beziehung zu einem Alkoholiker, wo sie mich immer weniger verstand, brach irgendwann der Kontakt abrupt ab.

Heute frage ich mich, wie es ihr wohl geht. Was ist aus ihr geworden? Soll ich den neuerlichen Kontakt wagen? Es hat sich einiges verändert. Mit mir, in mir. Zum Glück vorwiegend zum Positiven. Gut, ich war trotz allem immer ein Sonnenschein und habe auch früher immer schon viel gelacht und Blödsinn gemacht. Im Laufe der Zeit habe ich eine vorwiegend positive Lebenseinstellung gewonnen. Ein Versuch wäre es auf alle Fälle wert, oder?

© Moschu