Bienenatmung

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Bienenatmung | story.one

Das Summen im Bienenstock ist ein ganz besonderes Geräusch, es wird mit ihren Flügeln ausgelöst, die extrem schnell hin- und her fächern, wenn sie im Stock kühlen oder wärmen, wie ein Tempomat. Die Bienen sind wahre Klimatisierungswunder und das Geräusch kann obendrein noch beruhigend wirken! Unglaublicher weise hat sich das aus Indien stammende Yoga daran Anlehnung genommen, eine Übung heißt „die Bienenatmung“ (Brahmari), diese soll besonders beruhigend bei Wut, Stress und Unruhe wirken und uns sogar besser einschlafen lassen. Diese Übung wirkt auf den Parasympathicus, das System im Körper, das für die Entspannung zuständig ist.

Mit einem Tiefen langen Summton bei der Ausatmung aktiviert (der Klang der summenden Bienen im Kopf) man diese wichtigen Entspannungsareale. Ich habe es selbst probiert, obwohl ich am Anfang sehr skeptisch war, aber es hat eine unglaubliche Wirkung! Der Trick dabei ist unsere Ausatmung zu verlängern. Wir haben leider verlernt, lange und gelassen auszuatmen. Wir hecheln meist hektisch ein und dann ganz schnell und unruhig wieder aus.

Darauf basieren meiner Ansicht nach viele Atemtechniken in allen möglichen Religionen, wie zum Beispiel die Mönche im Christentum mit ihren Choralgesängen morgens und abends, buddhistische Mönche im Morgengebet oder das chinesische Qi Gong der Shaolin-Mönche mit gezielten Atemübungen. Es geht immer darum, die Lebenskraft zu finden und in uns fließen zu lassen – sei es Energie, Qi oder Prana, wie auch immer wir es nennen mögen. Der Atem des Lebens ist nicht nur sprichwörtlich ein langer Atem.

Das hat nichts mit Esoterik zu tun, falls jetzt einige Skeptiker aufschreien würden. Gezielte Atemübungen finden wir auch im medizinischen Bereich, wie zum Beispiel bei der Geburtsvorbereitung, um den Rhythmus zu finden und dort die Schmerzen „auszuatmen“.

Aber oft braucht es nicht einmal einen konkreten Anlass, es summen im Alltag so viele Gedanken in unserem Kopf herum, dass wir das Gefühl haben, ein ganzer Bienenstock oder ein Schwarm ist in und auf unserem Kopf. Dieses Summen ist manchmal gut und aktiviert uns und bringt uns in eine Flow, aber nimmt es Überhand, dann macht es uns gestresst, verursacht Kopfweh und langfristig kann es sogar in einen Tinnitus treiben. Konstant zu viele Gedanken gleichzeitig und gleich laut, überfordern uns und unser Gehirn und machen uns krank. Multitasking geht meiner Meinung nach immer nur eine gewisse Zeit lang gut, wenn man sich dann wieder -wie in einem Gleichgewicht - danach auch wieder in völlige Ruhe begibt.

Wie bei der Biene ist es wichtig, das Summen der Gedanken im Kopf wie die Biene es beim Klimatisieren ihres zu Hauses zu regeln, wie ein Thermostat. Wie wir das tun, ob mit Atemübungen oder anders, ist nicht entscheidend. Das Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe in den Gedanken ist ausschlaggebend. Die Biene jedenfalls erkennt das mit ihrem "Thermostat" von selbst und macht all das mit den Flügeln!

© MrsTwiggy 30.06.2020