Der Metzger am OP-Tisch

Eine anstehende Operation findet niemand lustig. Am intensivsten ist dieses Gefühl, wenn man ein, zwei Stunden vor dem Eingriff in seinem Krankenbett liegt und darauf wartet, abgeholt zu werden und unters Messer zu kommen.

So liege ich also da, beobachte Minuten beim Vergehen und versuche, nicht an meinen knurrenden Magen oder meinen ausgetrockneten Mund zu denken. Schon gar nicht an das Bein, das gleich operiert werden soll. Die Schwester kommt und bringt mir eine Tablette, um mich in einen guten Zustand zu versetzen. Da ich normalerweise nie mit Drogen experimentiere, spreche ich auf die Glücklichmacher super gut an. Als wenig später der Transport Richtung OP losgeht, bin ich bereits fleißig am Kichern. Während der Zivi mit mir in meinem Bett durch die unterirdischen, hallenden Gänge der Klinik marschiert, führe ich eine flotte Plauderei mit ihm, bei der praktisch nur ich am Wort bin. Das hat Seltenheitswert, da ich sonst rednerisch eher zurückhaltend bin. Das Dope wirkt zuverlässig.

Kaum an den OP-Trakt übergeben, komme ich erst so richtig in Fahrt. Ich find die Stimmung hier großartig! Unterhalte mich prächtig mit völlig unbekannten Menschen, die ich noch nicht mal sehe, weil mein Kopf bereits in einem Polster steckt, in dem ich ihn nicht mehr bewegen kann. Während man mich medizinisch auf den Eingriff vorbereitet, tauchen nacheinander diverse Klinikmitarbeiter über meinem Gesicht auf. „Grüß Gott, ich bin die OP-Schwester“, „Guten Morgen, ich bin ihr Anästhesist “ usw. In meinem grenzenlosen Dusel strahle ich die lieben Leute einen nach dem anderen an als wären sie Christkind und Osterhase zugleich. Es rennt der Schmäh und ich fühle mich besser als beim Heurigen. Den ultimativen Scherz aber macht der letzte, der in diesem Reigen in meinem Gesichtsfeld auftaucht. Er schießt den Vogel ab indem er mich von oben mit seinem pausbäckigen Gesicht angrinst und sagt: „Und ich bin der Metzger!“ Ich lache mich kaputt und freue mich, daß in dieser Klinik lauter Menschen mit ganz viel Humor arbeiten. Gleich danach schlafe ich sehr lange…

Zwei Tage später überfliegt der diensthabende Arzt bei der Visite meine Krankengeschichte. „Ach,“ sagt er, „Sie wurden ja von unserem neuen Kollegen operiert. Waren Sie denn zufrieden mit Dr. Metzger?“ Ungläubig starre ich ihn an. Das gibt’s nicht, der heißt wirklich so…!

© Muriella