Der Traum der Chaos-Queen - Teil 1

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Der Traum der Chaos-Queen - Teil 1 | story.one

„Wer braucht schon einen Wecker, wenn die innere Uhr so gut funktioniert?!“ dachte ich bei mir, als ich noch vor dem schrillen Geläute wach wurde und freiwillig um 5:30 aus dem Bett hechtete. Ich hätte mir auch die Frage stellen können, ob sich meine Psyche so sehr davor fürchtet, mit lautem Schall aus dem Schlaf gerissen zu werden, oder meine innere Unruhe mich geweckt hatte.

Aber es blieb sowieso keine Zeit, um über etwas so Belangloses nachzudenken. Ich hatte mich, obwohl berufstätig, selbst dazu entschieden Mutter zu werden und das gleich drei Mal. Da erwartet das Umfeld von einem zumindest, dass man es auch gut hinkriegt. Solltest du doch einmal nervlich am Ende sein und dich einer „guten Freundin“ anvertrauen, oder dein Herz in einer Elternrunde ausschütten wollen, hörst du immer wieder den einen Satz: „Du hast es dir selbst so ausgesucht!“ Dieser eine Satz, der so viel impliziert, nur weder Mitgefühl noch Verständnis.

Also raus aus den Federn und noch vor dem Frühstück mit der Familie die Haustiere verpflegen und mich selbst fertigmachen, denn später ist kein Puffer mehr dafür. Danach das Frühstück vorbereiten, die Kinderleins munter kriegen, dem Partner einen guten Morgen wünschen und noch während alle gemütlich frühstücken, die Jause für Kindergarten und Schule zubereiten.

Danach dem Schatz bei der Wahl der richtigen Krawatte helfen und sein Hemd zuknöpfen, das Baby anziehen und Kind 1 (Grundschule) und Kind 2 (Kindergarten) bei der täglichen Garderobe beraten, wobei sie ohnehin immer das tragen möchten, was ich vorschlage.

Endlich waren alle ausgehfertig, Baby kommt ins Tragetuch. Wir verabschiedeten Papa ins Büro und machten uns auf den Weg zu Schule und Kindergarten. Zurück zu Hause schlief mein Säugling tief und fest und ich konnte die Zeit dazu nutzen, etwas im Home-Office zu erledigen. Um nicht ganz raus zu kommen, hatte ich ein paar Stunden in der Woche mit meinem Arbeitgeber vereinbart. Es soll ja nicht den Anschein erwecken, als würde mich das Mutterdasein völlig auslasten und ich hätte kein Interesse mehr an meinem Job. Schließlich hatte ich es mir ja so ausgesucht.

© Mutterherz-mit-rebellischer-Anmutung 26.02.2020