Der Traum der Chaos-Queen - Teil 2

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Der Traum der Chaos-Queen - Teil 2 | story.one

Was für ein tolles Timing – meine Administration war genau mit dem Aufwachen meines Kindes fertig. Ich stillte also mein Baby und während ich mich um den Haushalt kümmerte, beschäftigte es sich alleine, als wüsste es von sich aus, wie wichtig mir die Perfektion der eigenen vier Wände war. Nachdem ich gekocht hatte, holte ich die beiden älteren Geschwister aus Schule und Kindergarten und half meinem Ältesten beim Erledigen seiner Hausaufgaben. Währenddessen konnte sich mein Kleinkind als große Schwester beweisen.

Der Nachmittag verging wie im Nu und schon stand mein Mann wieder vor mir, hungrig und müde von der Arbeit. Er erzählte während des Essens von seinem Arbeitsalltag, wie stressig und hektisch alles sei. Ich wäre so privilegiert, den ganzen Tag zu Haus verbringen zu können und mich mit den Kindern beschäftigen zu können. Ich lächelte ihn verständnisvoll an und gab ab und an einfühlsame Kommentare.

Der Abend verlief recht ruhig, denn mein mir Angetrauter musst zur Ruhe kommen, also spielten die Kinder noch im Garten, bevor ich sie bettfertig machte, ihnen vorlas und zu Bett brachte. Ich war ein klein wenig stolz auf mich, weil ich alles so gut im Griff hatte, aber nur ein bisschen. Nicht zu viel, denn schließlich hatte ich es mir so ausgesucht und tausende andere Frauen auf der Welt stemmten noch viel mehr.

Ich setzte mich in die Küche, plante im Kopf alles für den kommenden Tag und schrieb mir einige Stichwörter auf, um nichts zu vergessen. Als ich zu Bett ging, döste mein Mann bereits vor sich hin und ich schlüpfte leiste unter die Decke, um ihn nicht zu wecken.

Am nächsten Tag öffnete ich die Augen, weil mein Großkind mich wachschüttelt. Der Wecker hätte schon 3 x geklingelt und es wäre fast sieben Uhr. Ungläubig blickte ich auf die andere Betthälfte und fand einen Zettel „Guten Morgen Chaos-Queen, ich hab dich schlafen lassen und das Frühstück vorbereitet. Wünsche dir einen schönen Tag. In Liebe dein Mann! PS.: Wenn du heute nicht kochen möchtest, nehme ich einfach Essen aus der Stadt mit.“

Ich schlurfte in die Küche und nahm am Weg dorthin noch meinen Säugling mit. Die Meute war bereits versorgt und ich konnte mich in Ruhe dem Baby widmen. Ich grinste vor mich hin und verstand – Der Perfekte-Mutter-Tag war einfach nur ein schlimmer Alptraum! Niemals hätte ich mich in diese Schablone pressen lassen und außerdem war ich in Karenz und treffe heute Vormittag meine Freundin zum Kaffee. Ja, so hatte ich mir das ausgesucht. 

© Mutterherz-mit-rebellischer-Anmutung 26.02.2020