Super-Mom

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Super-Mom | story.one

Ratz-Fatz, ein bisschen Spachtelmasse ins Gesicht, drüber lackiert, makellose Frisur, zum falschen Lächeln aufpoliert und fertig ist die perfekte, alles unter Kontrolle habende, niemals in Not geratende und auf dem sinkenden Schiff noch tanzende 10fach-Mutter, von der du dir eine Scheibe abschneiden könntest.

Da war ich wieder einmal, auf dem Spielplatz meiner Wahl und konnte die Atmosphäre des Perfekten förmlich dem CO2-Ausstoß entnehmen. Bewundernswert, dieses makellose Auftreten von Mutter UND Kind und auch immer alles sofort parat. „Habe ich zu Hause vergessen!“ gab es im Sprachgebrauch nicht. Heute war aber etwas anders. Eine Super-Mom erbarmte sich meiner unscheinbaren und gar nicht perfekten Erscheinung und begann einen Dialog mit mir. Dieser diente natürlich hauptsächlich dazu, die fortgeschrittene Entwicklung des eigenen Sprosses in den Mittelpunkt zu stellen.

Andächtig lauschte ich den verbalen Ausführungen des wunderschön geschminkten Mundes, deren Besitzerin währenddessen das mitgebrachte Kleinkind selbstverständlich nie aus den Augen ließ. Und weil ich so eine brave Zuhörerin war und mein Sohn sich zu benehmen wusste, wurden wir für den nächsten Tag in die Behausung von Barbie-Mutter und Klein-Ken eingeladen.

Ich war total aufgeregt und hoffte, in all meiner Unperfektheit das Barbie-Schloss nicht zu beschmutzen. Meinen Buben badete ich davor extra noch und er bekam sein schönstes Gewand angezogen.

Wir betraten das Hochglanzheim und was ich sah, war das Platzen einer Seifenblase – aber die gute Art. Die Schmutzwäsche hing nicht nur aus den dafür vorgesehenen Behältnissen, sondern lag auch teilweise am Boden, der Hund begattete alle Möbel und wollte auch nach hundertfachen Ermahnen nicht damit aufhören. Diese Unbelehrbarkeit hatte sich wohl auch Klein-Ken abgeschaut und ging unbeirrt seinem Zerstörungswahn nach. Dann rief auch noch der Gatte an und brüllte ins Telefon und in einer Millisekunde konnte ich ein Aufflackern der Verzweiflung im Gesicht von Super-Mom erkennen.

Ich beschloss, dass mir ein warmherziges, friedliches Zuhause um einiges mehr Wert war, als der Schein nach Außen und freute mich schon auf das Ende des Besuches.

© Mutterherz-mit-rebellischer-Anmutung