mein Geheimnis unterm Rock

Das Telefon klingelte. Ui, es ist ja schon nach acht, jetzt aber schnell ins Büro!

Ich sprang aus dem Bett, schlüpfte rasch in meine Weste und öffnete die Schiebetür des Schranks. Durch diesen kam man ins nebenan liegende Büro. Er war so riesig, dass er nicht anders in das kleine Hinterzimmer gepasst hatte und die Tür verstellte, also hatte mein Freund kurzerhand die Rückwand herausgenommen. Gleich gegenüber stand das Doppelbett, damit war das kleine Zimmer auch schon voll.

Das Telefonat war rasch erledigt und ich ging wieder durch den Schrank. "Herr Chef, aufstehen! Du hast einen Termin in St.Pölten, da solltest du langsam mal in die Gänge kommen." M. gähnte und räkelte sich. Während ich mich anzog, griff er nach seinen Zigaretten und rauchte erstmal eine. Ich putzte nebenan in der Kaffeeküche meine Zähne, wusch mir das Gesicht und schaltete die Kaffeemaschine ein. Die Toilette war draußen auf dem Gang. Kaum hatte ich mich hingesetzt, rüttelte M. an der Tür: "Telefon, du musst abheben!" Ich öffnete seufzend die Tür und er überreichte mir das Schnurlostelefon. Möglichst professionell meldete ich mich und hoffte, man würde den Hall vom Klo nicht hören...

"Sag einmal, kann ich nicht mal in Ruhe aufs Klo gehen?" fragte ich nachher verärgert. "Naja, wir brauchen jeden Auftrag und du bist die Sekretärin. Schaut nicht gut aus, wenn der Chef selbst rangeht. So wirken wir einfach professioneller," entgegnete mein Freund. Er gab mir noch einen Abschiedskuss und griff nach den Autoschlüsseln. "Bis dann!"

Ich nahm mir auch einen Kaffee und schaltete das Radio ein. Dann holte ich Cleo aus dem Terrarium, das in der Teeküche stand und ließ sie über den Schreibtisch kriechen. Sie sollte auch ein bißchen "Auslauf" haben.

Draußen quietschten Bremsen. Die Neustiftgasse war ziemlich stark befahren, das war gut für unser Geschäft. Wir hatten immer wieder Laufkundschaft, die unser Schild gesehen hatten. Windschutzscheibenreparaturen waren noch nicht so bekannt, Leute waren neugierig. Ich konnte inzwischen aus dem Effeff erklären, wie die Kunstharzfüllung eines Steinschlagschadens funktionierte.

Mein Freund hatte die Idee, dass ich auch Franchisepartnerin werden sollte. Er malte sich aus, wie ich auf einem schweren Motorrad, möglichst auch noch im Minirock und toll gestyled zu den Kunden fahren würde. Diesen Service hätte niemand sonst, das würde uns zur Nummer eins auf dem Markt machen. Leider hatte er diese Rechnung ohne mich gemacht.

Es klopfte an der Tür. Rasch nahm ich die Python, aber wohin damit? Die durfte niemand sehen, Schlangen waren meldepflichtig. Kurzerhand legte ich sie auf die Oberschenkel unten meinen langen Rock. Der Briefträger grüßte und verkündete: "Einschreiben!" Oje. Er wartete bei der Tür mit dem Brief in der Hand. Ich musste also aufstehen. Was wird er sich denken, wenn die Schlange unter meinem Rock herausfällt? Langsam erhob ich mich- und Cleo umschlang meine Beine fester. Sie hielt! Phu, geschafft.

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