Das war knapp

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Das war knapp | story.one

Es war ein ganz besonderer Nachmittag. Mein Enkelsohn, damals gerade zweiundzwanzig Jahre alt und ich machten eine Ausflug in die Stadt Salzburg.

Wir saßen an der Salzach und tranken Kaffee in einer Konditorei. Wir liefen durch die Getreidegasse und über den Domplatz. Mit dem Bus fuhren wir durch die halbe Stadt, bis wir in der Nähe des Bahnhofes noch einer Boutique einen längeren Besuch abstatteten und mit einigen Paketen beladen wieder herauskamen. Zufrieden machten wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof, um mit dem Zug wieder nach Hause zu fahren.

Kurz vor dem Hauptbahnhof mussten wir noch durch ein Gebäude und auch durch eine Drehtür. Aus einiger Entfernung konnten wir beobachten, wie ein junger Mann, etwa siebzehn bis achtzehn Jahre alt, gegen die Drehtür schlug.

Eine Menschentraube stand schon dahinter und sah zu, wie der wild gewordene Jugendlicher vergeblich versuchte, eine automatisch betriebene, und anscheinend gerade im Sicherheitsmodus sich befindende Drehtür, weiter zu drehen.

Mein Enkelsohn ging zu dem Burschen und sagte in einem normalen ruhigen Ton: "Hör auf , dann geht es wieder weiter!" Der junge Mann sah ihn verständnislos an, und ging weg. Wir blieben mit den anderen Personen stehen, und warteten bis sich die Tür wieder bewegte.

Gerade als wir durchgehen wollten, kam der Bursch in Begleitung eines gossen kräftigen Mannes wieder zurück. Sie steuerten auf uns zu, und der Bursch deutete mit der Hand auf meinen Enkelsohn. Ich spürte Unbehagen hoch kommen. Und das nicht zu Unrecht.

Der große Mann kam unangenehm nahe, und sprach mit starkem ausländischen Akzent und mit spürbarer Aggression meinem Enkelsohn an. Den Ernst der Situation erkennend, sandte ich ein Stoßgebet zum Himmel.

Fast verzweifelt erklärte mein Enkelkind, dass er lediglich dem Burschen gesagt habe, dass die Drehtür wieder von selbst weitergehe, wenn man zurückgehe. Mein Herz schlug bis zum Hals, und ich spürte das Ausgeliefert sein an eine Situation für die man nicht einmal was kann.

Nach einigen bangen Sekunden drehte sich die beiden um, und gingen.

© Mystizia 04.11.2019