Der Wespenstich

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Der Wespenstich | story.one

Es war ein wunderschöner Sommer, und es gab noch keine Handys. Damals verbrachte ich viele Nachmittage mit Freunden am Attersee. So auch an diesem Spätnachmittag. Jemand aus der Gruppe hatte schon den "Griller" startklar gemacht, meine Freundin und ich schwammen noch einmal hinaus ehe wir uns den Vorbereitungen unseres Abendessens widmeten. Autsch! Was war das denn? Ein brennender Schmerz am Rücken. "Ich glaub' mich hat was gestochen." Ich wandte mich meiner Freundin zu, die meinen Rücken begutachtete. " Schaut aus wie von einer Wespe."meinte sie, und rieb die Stelle mit Zwiebel ein. Nach kurzer Zeit fühlte sich mein Hals eigenartig an. "Schau das du ins Krankenhaus kommst", sagte meine innere Stimme. In diesem Moment wusste ich, dass es ernst war. Ich erklärte meinen Freunden, dass ich jetzt fahren würde. "Wegen eines Wespenstiches musst du doch nicht gleich heimfahren". Für ein paar Sekunden kam ich ins Zögern. Dann spürte ich wieder dieses eigenartige Gefühl im Hals . Ich suchte meine Sachen zusammen und ging so schnell wie ich konnte zu meinem Auto. Nach einem guten Kilometer merkte ich, wie an der Innenseite meiner Unterarme rote Stellen kamen, die stark juckten. Ok, das kannte ich, vor Jahren hatte ich eine Allergie, aber heute hatte ich ja nichts Verbotenes gegessen. Ich versuchte gelassen zu bleiben, aber nun juckte es schon vom Hals bis hinunter bis zur Brust. Unbehagen kam hoch. "Du musst dich jetzt auf das Fahren konzentrieren, sitz gerade, schau auf die Strasse und tu' so als ob du nichts hättest ."Sagte mein Kopf. Ich war noch keine drei Kilometer unterwegs als meine Oberschenkel knallrot wurden, und hatte erst ein Drittel meines Weges geschafft. Mein Kopf ermahnte, mich wieder auf die Strasse zu schauen. Ich muss den Juckreiz wegdenken, sonst geht das nicht. Dann fiel mir Erika- meine Yogalehrerin ein, die zu sagen pflegte:"Der Geist steht über dem Körper". Jetzt hast du keine Wahl mehr, fahr' einfach weiter und schau auf die Strasse. Du bist eine Yogini du kannst meditieren, also schaffst du jetzt den Weg ins Krankenhaus." Mittlerweile hatte ich die Hälfte der Stecke zurückgelegt, und das Jucken breitete sich beinahe über den ganzen Körper aus. " Schau auf die Straße und denk dir, dass das Jucken nicht da ist."Meine innere Stimme meinte es ernst. Nach zwei bis drei weiteren Kilometern, merkte ich wie es im Hals immer enger wurde. Einatmen und ausatmen, ganz bewusst, so wie wir es beim Yoga immer machen. Die ganze Zeit einatmen und ausatmen und auf die Straße schauen. "Du kannst dir keinen Zwischenfall leisten". Meine innere Stimme sprach weiter, und werd' jetzt ja nicht hysterisch, du bist ja gleich da. Wie ich aussah, als ich das Krankenhaus betrat habe ich nicht gesehen, es muss schlimm gewesen sein, nach den Blicken der Leute zu schließen. Innerhalb kürzester Zeit lag ich dann in der Notaufnahme, und die Infusion begann zu wirken. Anaphylaktische Schock -die Dame im Badeanzug , hörte ich noch jemanden sagen.

© Mystizia