Bella und das Wunder

Dieses Mal ist ihre Verzweiflung wirklich groß. Das Leben scheint sich eher im Kreis zu drehen als vorwärts zu gehen. Ihr Ausweg? Den Kleinen schnappen und zu den Eltern nach Kolumbien fliegen. Da bekommt sie vielleicht die Geborgenheit und die Ruhe, die sie in den letzten Monaten vergeblich gesucht hat.

Dort hat sie auch wieder einmal die Möglichkeit sie selbst zu sein, nicht nur Mutter, Patchwork-Mutter und Partnerin.

Während ihr kleiner Sohn die Nähe der Großeltern genießt, dreht sie eine Runde am Hauptplatz der Kleinstadt und genießt ihre Freiheit.

Ihr Blick schweift in die Ferne und ihre Gedanken kreisen wirr, wie ein Wollknäuel, das immer wieder hin und her geschossen wird, im übervollen Kopf herum.

Sie überquert einen großen Platz wie von einem Autopiloten gesteuert. Ein junger Mann sitzt am Rande des Platzes und als sich ihre Blicke treffen, spüren ihre Füße den Boden wieder. Sie ist zurück in der Gegenwart, herausgepurzelt aus ihrem Denk- Kokon, ganz bei diesem Wesen. Er hockt verloren am Rande des Platzes und bräuchte offensichtlich Hilfe. Als er herausfindet, dass sie Englisch spricht, erzählt er ihr von einem Projekt, das er gerade durchführt. Er durchquert den amerikanischen Kontinent von Norden nach Süden mit dem Auto. Nach einer Projektbeschreibung, die sich fast unendlich lange anfühlt, will sie auf den Punkt kommen und fragt direkt, was er möchte. Er habe kein Geld und sei auf die Hilfe der anderen angewiesen. Danach fragt er sie unverblümt nach einem Schlafplatz.

Nachdem sie selbst Gast ist, kann sie ihm keinen Platz im Haus der Eltern anbieten. Aber sie leiht sich sofort ein Handy und ruft ihre Tante an, die ihn prompt für die Nacht aufnehmen will.

In diesem Moment kommt ein Kamerateam aus den Büschen und Bella fühlt sich nicht nur wie im Film, sie wird gebeten Teil des Films zu sein, der vom Abenteuer des angeblich mittellosen Weltenbummler handelt. Dafür spielen sie genau diese Szene noch einmal.

Sie willigt auch hier ein und ist noch bei einer weiteren Szene dabei, die im Haus der Tante, wo der junge Herr schläft, gedreht wird.

Als Prämie bekommt sie die Möglichkeit einen Kurzfilm für einen Privatsender zu drehen. Ein Traum geht in Erfüllung und es sollte nicht das erste Projekt in diese Richtung sein.

© Narradora