Spanien- eine Liebe

Ich sah ihn sofort, als ich die Bar betrat. Kennen wir uns schon ewig? Zumindest fühlte ich das in dem Moment. Unsere Blicke trafen sich und wir konnten uns beide aus dem Bann nicht lösen.

Es war ein kalter November Abend in den achtziger Jahren in Valladolid, einer kleinen Stadt im unwirtlichen Kastilien, nördlich von Madrid.

Schritt um Schritt kam ich auf ihn zu. Er wird mich sicher ansprechen. Glaubte ich zumindest. Er blieb aber ruhig stehen und verfolgte mich mit dem Blick als ich an ihm vorbei ging.

Eine Chance gebe ich ihm noch. Also ging ich nach einem kurzen Kaffee wieder vorbei. Als ich dann beim Ausgang war, stand er noch immer ruhig da und schaute mir nach. Unsere Blicke trafen sich, als ich mich umdrehte und seiner gelangte bis in mein Herz.

Stolz und Herz hielten ein kurzes Zwiegespräch. Dann machte ich kehrt, stammelte etwas, wie „ich weiß eigentlich nicht, was ich sagen soll, aber ich weiß, dass ich ihn kennenlernen möchte“. Nach diesem kurzen Kauderwelsch tauchten wir in eine gemeinsame Blase. Wir entführten uns gegenseitig in unsere Gedankenwelten und zogen von Bar zu Bar, bis Valladolid in den nächtlichen Schlaf versank.

Am nächsten Tag trafen wir uns noch einmal im „El minutito“, dem Minütchen. Wir blieben länger, wollten den Moment festhalten. Dann reiste er ab.

Wir schrieben uns ab diesem Moment Briefe. Doch ein Treffen schafften wir nicht mehr. Obwohl Spanien und Österreich zu einem Europa zusammengewachsen sind, haben unsere Leben andere Richtungen genommen. In seinem letzten Brief erfuhr ich, dass er im Sterben lag.

Und als ich bei meinem nächsten Besuch in Spanien an seiner Tür in Barcelona, wo er seine letzten Jahre verbrachte, läutete, öffnete jemand, den ich nicht kannte und der ihn nicht kannte.

Mir blieb der Blick in mein Herz. Dort fand ich ihn und dort begegne ich Julio noch heute.

© Narradora