AHAAA!

Wir haben einen Plan: ich besuche meinen Sohn in Graz, und anschließend fahren wir gemeinsam nach Lienz zum Oma-Besuch. Alles soweit klar bis auf eine geringe Abänderung. Mein Sohn muss nur noch sein „kleines Schwarzes“ zum Service in die Werkstätte bringen. Es handelt sich um einen eleganten, wendigen, dunkel gehaltenen Motorroller. Selbigem sollte ich nun auf dem Weg zur Werkstätte hinterher fahren, damit wir dann die Reise wie vereinbart gemeinsam fortsetzen. Alleine im Auto durch eine fremde Stadt zu kreuzen...mir graut davor, aber mein Kind verspricht mir, behutsam und langsam voran zu fahren. So lehne ich nun am vollgepackten Wagen und habe nicht lange Zeit, mich meiner Beklommenheit hinzugeben, denn schon knattert es aus der Tiefgaragenausfahrt und der schwarze Reiter prescht an mir vorbei. Es gibt noch kurz Blickkontakt durch das dunkel getönte Visier und ich springe ins Auto, um dem Roller hinterher zu kommen. Das Tempo ist eher forsch, was aber nicht soviel ausmacht, denn die Gegend ist verkehrsberuhigt und überschaubar. An den Kopfbewegungen erkenne ich, dass mein „Vorfahrer“im Seitenspiegel regelmäßig checkt, ob ich noch da bin, was fast so etwas wie Rührung in mir aufkommen lässt. „Mein rücksichtsvoller, besorgter Sohn“ denke ich mir. Fast bekomme ich Spaß daran, mich hinten dran zu hängen – bis ich unterschwellig registriere, dass die Verkehrsdichte steigt, das Tempo aber dasselbe bleibt. So kommt es nun, dass ich einige Ampeln bei gerade nochmal dunkelgelb passiere, einen freilaufenden Hund gefährlich nahe an die Stoßstange bekomme und die rechte Felge kurz, aber heftig, eine vor lauter Konzentration übersehene Gehsteigkante kontaktiert. Aus Sport wird Stress und – damit noch ein wenig zusätzliche Würze aufkommt, beginnt nun, mein Handy zu läuten. Irgendwo im Kofferraum vergraben, bimmelt das Teil vor sich hin. „Na, wenigstens schaut der Knabe weiterhin brav nach hinten, ob es mich noch gibt“, denke ich mir, inzwischen einigermaßen ergrimmt, und plötzlich – taraaa – ist die Reise zu Ende. Der Roller schlängelt sich an einem herunter gelassen Schranken vorbei in einen Innenhof. Mein hilfesuchender Blick bleibt an einer großen Überkopf-Tafel hängen und ich lese „TECHNISCHE UNIVERSITÄT GRAZ“. Die Erkenntnis trifft mich schlagartig und so klaube ich erstmal mein Herz aus der Hose, wühle das Handy hervor und sehe: 5 unbeantwortete Anrufe in der Liste. Von meinem Sohn. Der arme Kerl ist bereits mehrere Male seine Wohnstraße auf und ab gefahren und fragt sich inzwischen ziemlich ratlos, wohin ich mich wohl aufgelöst haben könnte. Trotz räudigster Standortbeschreibung gelingt es ihm schlussendlich, mich in einer der Grazer Straßenschluchten aufzugabeln und ich bin einigermaßen froh darüber, so einen coolen Typen großgezogen zu haben. Wir beide haben erstmal herzlich gelacht und dannden tatsächlichen Weg in die Werkstätte erfolgreich zu Ende gebracht. Danke Sohn!

© neli