Müde bin ich, geh zur Ruh...

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Müde bin ich, geh zur Ruh... | story.one

...schließ aber nicht die Äuglein zu.

Manchmal neige ich zu Übertreibungen. Besonders oft kommt das vor, wenn ich lese und lese und lese und lese und lese und eigentlich schon, weil verdammt müde, dringlichst aufhören sollte.

Dazu fehlt mir leider aber meistens die Off-Taste und so quäle ich diese meine müden Äuglein durch Texte, die dem ebenso müden Gehirn manchmal gar wunderliche Zeilen vorgaukeln.

So geschah es, dass ich im Zustand der Ermattung las: “Milizen sollen ihre Waffeln abgeben“.

Ziemlich aufgelegt zwar, die Sache ließ mich trotzdem kurz innerlich grinsen. „Gar nicht so weit hergeholt. Die haben tatsächlich meistens ganz schön einen an der Waffel“, dachte ich.

Ein andermal, es ging um die Biografie eines Schriftstellers, wunderte ich mich, was der belesene Weise denn plötzlich am Autorennweg zu tun habe - passte doch gar nicht zu der sonst soliden Lebensform des Mannes. Er war auch tatsächlich bedächtiger unterwegs. Auf dem Autorenweg halt. So geht’s mitunter, wenn sich bereits fortgeschrittene Verlangsamung in den Hirnwindungen breit macht.

Ein Opfer meiner, ich muss es offen gestehen, mitunter sehr ungeduldigen und schnellen Art, zu lesen war jüngst eine bekannte Politikerin, von der geschrieben stand, sie habe sich beim XY-Ausschuss rargemacht. So weit so gut. Mein ebenso flottes wie getrübtes Auge hatte allerdings das zweite „r“ bei „rargemacht“ als „n“ gesehen und ich überlegte spontan: „Einzeln, oder alle gleichzeitig?“

Vor längerer Zeit ging es um einen Artikel über Entwicklung im Säuglingsalter. „Naja, dass Urin stinkt“ ist jetzt aber auch nicht derart der Weisheit letzter Schluss, um sowas hier lang und breit zu erläutern“ grummelte ich. Mitunter passen die Buchstaben, aber, um den großartigen Joachim Meyerhoff zu bemühen, war es „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke,“ die mich in der Causa „Urinstinkt des Neugeborenen“ zu krausen Schlussfolgerungen verführte.

Die letzte, wirklich ganz arge „Verschauer–Sache“ ist mir hier auf story.one passiert. Da stieß ich zufällig auf eine Co-Autorin, (und ich leiste bei der Dame bereits vorab, auch wenn wir uns noch nie kontaktiert haben, reuevolle Abbitte), die sich „Beate-Luise“ nennt.

Mein Dämmerzustand ließ mich ernsthaft „Beate Uhse“ sehen, und absurderweise hieß die Geschichte auch noch „Feuchtbücher“.

Holla, da hat es mir die Äuglein aber aufgerissen. So schnell munter war ich schon lange nicht mehr!

Seither gelobe ich, Autoren, wie auch dem gesetzten Wort gegenüber, Besserung – großes Pfadfinderehrenwort.

Bis jetzt hat es funktioniert, Garantie bezüglich allfälliger Rückfälle traue ich mich aber keine abzugeben!

© neli 26.01.2020