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Richtiger Zeitpunkt-richtiger Ort

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Richtiger Zeitpunkt-richtiger Ort | story.one

Ich stehe im „BIlligen LAden“ und zapple von einem Bein auf das andere. Der Grundsatzeinkauf ist eigentlich woanders passiert, war allerdings leider mit partiellem Hirnausfall behaftet. Selbiger ist der Grund, dass ich jetzt – vom Herd weg in das nächstliegende Geschäft stresse, um die unverzichtbare Zutat für das geplante Essen einzukaufen. Ich könnte mir in den Hintern beißen, die Wände hochgehen, hüpfen wie Rumpelstilzchen. Zeitdruck wie nur irgendwas und dann muss noch eine Extratour her!

Der Umstand, dass die Schlange an der Kassa Überlänge hat und die Kassiererin gerade damit beschäftigt ist, einer alten Dame drei Euro in Form von Cent-Münzen aus dem Börserl zu klauben ist nicht dazu angetan, meine Stimmung zu verbessern. Ja klar, der Penner nach ihr braucht für den Minimalbetrag natürlich seine Kreditkarte, die zuerst auf alle möglichen Varianten verkehrtherum eingesteckt wird, bis es endlich klappt, aber schön langsam geht es schließlich doch voran. Direkt vor mir sind offenbar Vater und Tochter. Er in verschlissenem Parka und ausgebeulter Jogginghose, das cirka 8jährige Kind direkt aus der Schule mit dem Ranzen auf dem Rücken. Sie beladen das Band mit Chips, Keksen, Cola, Luftballonen und einer Torte aus der Tiefkühltruhe.

„Da steht ein Kindergeburtstag an“, denke ich mir, während die Waren über den Scanner gezogen werden. Die Kassafrau nennt den Betrag und es beginnt das große Kramen in der Geldtasche. Der Vater kratzt alles, was er finden kann heraus, es reicht aber nicht für den geplanten Einkauf. Er versucht es mit der Bankomatkarte, die aber offenbar gesperrt ist und nichts mehr hergibt.

Jetzt muss reduziert werden. Er legt die teure Torte beiseite und erklärt dem Kind, dass die leider nicht gekauft werden kann. Ich kämpfe mit dem Sarkasmus, der in Anbetracht der gelben Fingerspitzen des Vaters und der unverkennbaren Duftwolke, die ihn umgibt, in solchen Fällen immer wieder bei mir hochkommt. „Für stangenweise Zigaretten reicht das Geld offenbar schon, beim Kind muss dann gespart werden,“ denke ich verbittert. Mein Eindruck wird verstärkt, weil es das Mädchen offenbar gewohnt ist, Abstriche in Kauf zu nehmen. Sie ist nicht zornig, verhandelt nicht, sondern schaut tieftraurig die Schwarzwälder-Kirsch-Torte an. Die Verkäuferin storniert und will die Schachtel weglegen, als ich weiß, was ich tun muss.

Ich blende den Vater aus und frage die Kleine:„Du hast bald Geburtstag, nicht wahr? Wie alt wirst du denn?“ „10 Jahre“, kommt es zurück. „Boah, das ist ein tolles Alter – da musst du ordentlich feiern. Ich schenke dir jetzt fünf Euro und damit kannst du dir selbst die leckere Torte für deine Party kaufen. Alles Gute zum Geburtstag!“ Drücke dem Kind den Schein in die verschwitzte Hand und weide mich an der Freude, mit der sie die ersehnte Süßigkeit kauft.

Stimmungsvergleich: Hinweg - Heimweg = grantig, gereizt - glücklich, erfüllt.

Richtiger Zeitpunkt, richtiger Ort, das Richtige gemacht! Tag gerettet!

© neli 13.02.2020

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