Unterwassertherapie? Besser nie!

Schipiste - Sturz - Bruch Waden/ Schienbein - Operation -

Marknagel, Schrauben - 6 Wochen Krücken - 20 kg Maximalbelastung am verletzten Bein. Soweit im Kurzraffer eines der persönlichen Highlights während meines Sabbaticals. Bestens von meinem Sportmediziner-Ehemann betreut, hatte er unter anderem die Idee, gegen Ende der Krückenphase ins Hallenbad zu gehen, um im Wasser ein wenig gewichtsentlastet, das Bein wieder an ein normales Gangmuster zu gewöhnen. Ich schwimme für mein Leben gern, aber halt nur entweder im Meer oder in Seen. Hallenbäder mag ich nicht. Laut, hektisch, zu viele Menschen in zu wenig Wasser. Diesmal erschien mir ein Abstecher dorthin plausibel und so standen wir an einem Sonntagvormittag vor den Toren zum Badevergnügen. Wir waren weiß Gott nicht die Einzigen mit der Idee – großes Gewusel um meinen labilen Krückenstandplatz, aber dann endlich: Tickets gelöst und forsches Voranstürmen Richtung Umkleide. Dabei übersah ich leider ein Pfützchen und verlor die mühsam bis dahin aufrecht erhaltene Contenance. Merke: Pfützchen auf glattem Boden, und mögen sie noch so klein sein bedeuten höchste Gefahr für Krückengeher! Schnelldurchlauf bei mir im Hirn:“ Ausrutschen – hinknallen – Arm oder Schulter auch noch kaputt – gänzlich Pflegefall- heul!!!“ Mein Liebster brachte mich Gott sei Dank rechtzeitig aus der Schräglage und sicher zu einer der Liegen. Nächster Panikanfall beim Gang zum Becken: „Jede Menge Wasser am Boden!!“ Beim Springreiten hätte es an der Stelle geheißen: „Pferd verweigert das Hindernis,“ aber mein Sportsfreund kannte keine Gnade. Endlich am Beckenrand. Krücken hingestellt und am Hintern hoppelnd über die Stufen hinab ins Wasser. So, eigentlich hätte jetzt der ultimative Bewegungsspaß beginnen müssen. Tat er aber nicht. Ich stand zwar bis über den Nabel im Wasser, fühlte mich aber seekuhartig plump und schwer . Und außerdem hatte ich durch das Wasser auf unerklärliche Weise den Bezug zu meinem Bein, das irgendwo da untern war, verloren. Dies änderte sich allerdings schlagartig, als mich die Hinterkeule eines heftig zappelnden Jugendlichen traf. Genau da wo es weh tut! Reflektorisch ließ ich mich nach hinten fallen, um meine verletzte Haxe an die Wasseroberfläche und damit vermeintliche Sicherheit zu bringen. Das funktionierte genauso lang, bis ein Kevin, dem man schon wiederholte Male gesagt hatte, dass man da nicht ins Becken springen darf, direkt neben MEINEM Bein platschend aufschlug. Jetzt war ich am Punkt, wo ich mir dachte: „Nicht Marsch im Wasser, sondern Wasser Marsch und zwar Abmarsch !“ Ich muss alarmierend ausgesehen haben bei diesem erstmalig demonstrierten Patienten-Ungehorsam, sodass mich mein höchstpersönlicher Bademeister ohne jegliches Drängen auf Gehversuche widerstandslos zur Liege abschleppte. Dort erging ich mich vorerst in der mentalen Vorbereitung zum perfekten Gangbild und, halleluja, drei Monate später hat es ja schon geklappt!

© neli