Pflanzgartenleben

Johann, geboren 1949, gab mir interessante Eindrücke in das Leben im 20.Jahrhundert. Mein Opa kam in Mauterndorf (Lungau) als zweites Kind bei einer Hausgeburt zur Welt.

Er besuchte 2 Jahre einen Kindergarten, vier Jahre die Volksschule, ein Jahr die Hauptschule und wechselte dann ins Gymnasium. Mit dem „Patzenstab“ schlug der Lehrer oftmals auf die Hände der Schüler, wenn sie einen Fehler machten oder nicht gehorchten. Spiele in der Natur, wie Verstecken oder „Räuber und Gendarm“, oder später der Fußballverein und das Langlaufen waren seine Freizeitbeschäftigungen, insofern die Arbeit getan war. Denn mit dem Vater holzgehen, der Mutter beim Pflanzen der Jungbäume im Pflanzgarten helfen oder Beeren und Schwammerl im Wald suchen waren tägliche Arbeiten der ärmlichen Arbeiterfamilie. Opa erzählte vom Samerbauern, der alle seine Grundstücke mit hohen Zäunen abgrenzte, um zu verhindern, dass jemand die Pilze und Beeren von seinem Grund stahl. Jeden Tag kam er, um nachzusehen, ob noch alles da war. Zuerst gingen die Kinder 1 ½ Stunden auf den Fanningberg, um zum Grundstück zu gelangen. Sie mussten leise und vorsichtig sein, damit sie der Bauer nicht beim Stehlen der Beeren erwischte. Entdeckte er sie doch einmal, liefen alle so schnell sie konnten davon, sonst hätte der Samerbauer den Stecken auf sie niedergelassen. Die Familie meines Opas sparte Geld, wo es nur ging, denn übriges Geld war in der Nachkriegszeit eine Seltenheit. Die gesammelten Schwammerl und Schwarzbeeren wurden im nächsten Gasthof verkauft. Taschengeld gab es nie, denn auch das erworbene Geld beim Kegelaufsetzen in der Kegelscheiben brauchten die Eltern. Mit fünf Jahren traf ihn eine der Holzkugeln am Kopf. Mein Opa erlitt einen Schädelbasisbruch und seine Eltern glaubten nicht mehr an eine Genesung. Doch er überlebte und ging wieder Kegelaufstellen.

Von 1964 bis 1968 lernte er Elektriker bei der Firma „Meißnitzer“. Später arbeitete Johann beim E- Werk in Mauterndorf als Wärter und führte nebenbei die Tankstelle „Total“. 1970 heiratete er seine Helga. Am 1. Dezember 1973 wurde die „Total“ verkauft und er pachtete eine Tankstelle in St. Michael. Gleich nach dem Umzug nach St. Michael bekam er zwei Kinder: Sabine und Angelika.

Ich finde sein Leben spannend und außergewöhnlich, weil man sich manche Sachen heute gar nicht mehr vorstellen kann, die früher nicht selbstverständlich waren und heute jeder hat.

© Nici