Yeezy´s ??

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Yeezy´s ?? | story.one

Wir sitzen zur Mittagszeit auf einer Bank nahe dem Stephansdom und genehmigen uns ein Eis. Mein Sohn beobachtet die Menschen, die von einem Geschäft ins nächste hetzen, dicht an dicht drängen sich die Menschenmassen aneinander vorbei. Ich schaue dem Großstadtgetümmel interessiert zu, die Menschen nehmen kaum Notiz voneinander.

„Gucci, Louis Vuitton“ kommt abwechselnd aus dem Mund meines Sohnes.

Was, frage ich? „Ja siehst du nicht Mama, die Leute hier sind echt gestopft, jeder zweite rennt mit so teuren Schuhen und Klamotten herum“. Ich schaue der Spitze seines Fingers hinterher, mit dem er auf ein Pärchen vor einem der Geschäfte zeigt. „Von oben bis unten Louis Vuitton“, sagt er knapp.

„Aha“, antworte ich.

„Verdammt, sogar das Mädchen dort trägt Yeezy´s. „Und die und der auch. Ein Wahnsinn“ betont er immer wieder.

Von dem augenscheinlichen Reichtum der Großstadt Menschen angetan, die alle Schuhe mit Namen tragen, lasse ich ihn einfach vor sich hinreden.

Wir gehen daraufhin in einen dieser Schuhläden um uns diese Yeezy´s aus der Nähe anzuschauen.

Im Schuhgeschäft, das von außen größer wirkt als es innen dann tatsächlich Platz bietet werden wir von drei Verkäufern gleichzeitig empfangen, die bis dahin scheinbar nichts zu tun hatten. Ich bin irritiert, ist dieses Geschäft so hochpreisig, dass sich niemand hinein getraut?

Die schön aufgereihten Schuhe, die alle namentlich benannt sind, springen einen förmlich an und wollen gleich mit einem bei der Tür raus rennen.

Mein Sohn sieht sich um, nach der Frage ob sie Yeezys führen und der Verkäufer entschuldigend verneint, da sie Lieferschwierigkeiten haben, sehe ich die Enttäuschung im Gesicht meines Jungen. Kein Wunder, wenn halb Wien schon mit diesen Schuhen rumläuft, denke ich mir. Einer der Verkäufer gibt uns noch einen Tipp wo wir eventuell noch welche bekommen könnten.

Nun haben wir eine Challenge. Wir gehen ein paar Straßen weiter und wollen ins nächste Geschäft da hören wir von weiten: „Oh heilige Maria, Mutter Gottes,…“ Wir bleiben stehen, der Sprechgesang aus dem Mikro ist nicht zu überhören.

Scheinbar sind wir die einzig Interessierten. Die anderen Menschen um uns herum gehen weiter ihrem Einkaufstreiben nach. Wir beobachten wie eine Gruppe von Menschen, eskortiert von zwei Polizisten sich durch die Fußgängerzone drängelt. Begleitet mit den Worten „Oh heilige Maria, Mutter Gottes“…Wir setzen uns auf eine naheliegende Bank um dem Treiben ein wenig zuzusehen. Als die Prozession auf unserer Höhe ist kommt eine ältere Frau daraus angelaufen und drückt uns jeden ein Bild mit der Mutter Gottes in die Hand. „Betet, ruft sie uns zu, betet jeden Tag, um Schutz und um Frieden!“

Wenigstens nimmt hier mal jemand Notiz von den Menschen um sich, denke ich mir. Stecke das Bildchen ein und bitte Gott noch mir bei dieser Schuhchallenge zu helfen, damit wir alle bald in Frieden nach Hause können.

© Nika 29.06.2020