Die Twinni-Welt der Frauen

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Die Twinni-Welt der Frauen | story.one

Endlich kann ich es.

Das hat zwar lange gedauert und ich hatte dabei auch einige artfremde Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass Frauen geschickter sind als Männer. Und dass ich durch meine gesamte Pubertät völlig sinnlos im Dunkeln tappte (und mir dabei die Finger versaute), während ich bloß ein Mädchen fragen hätte müssen. Bei der frühmorgendlichen sozialen Interaktion an der Grazer Öffi-Drehscheibe Jakominiplatz zum Beispiel hätte das einiges erleichtert, wo sich alle Mittelschuljungs und Mittelschulmädls tagtäglich beim Umsteigen beschnupperten (im Eventualfall auch ein wenig mehr). Wäre ja kein so schlechtes Gesprächsthema für den Bratereistart, originell auf alle Fälle, etwa so:

Entschuldige bitte, ich krieg den Twinni einfach nicht sauber gebrochen, weißt du vielleicht, wie das geht?

Entweder halten dich die kühlen jungen Damen dann für einen Komplettdepp oder sie finden´s eh voll süß. Und ehrlich: eine 50-Prozent-Chance ist deutlich mehr, als ich damals in meiner schüchternen Pickeljugend für gewöhnlich hatte.

Jedenfalls besitze ich nun endlich den Twinni-Durchblick. Stark verspätet mitten drin in meinen Fünfzigern, wo ich auch in Sachen Gesprächsaufnahme mit der Damenwelt entspannter agiere, ein bissl halt, weil einmal schüchtern ja immer schüchtern ist. Der entscheidende Hinweis kam kürzlich von einer Freundin. Zwar hatten mir das auch andere Damen schon früher gleichlautend erklärt, ich glaubte es halt nur nicht oder hab es nicht ernst genug genommen. Doch jetzt weiß ich: Wie man ein Twinni-Eis bricht, ist nur uns Männern ein dunkles Gehemnis. Die Frauen wissen das dem Anschein nach von Geburt an, muss wohl irgendwie genetisch so verankert sein. Sie würden´s uns auch sagen, wären wir gescheit genug, sie zu fragen.

Das Wissen um das Twinni-Geheimnis scheint in der Welt der Frauen jedenfalls als eine Art common knowledge zu gelten, während wir Männer mehr darüber nachdenken, wie sich die Welt mit Atomkraftwerken oder so zupflastern ließe. Ich wusste eh schon immer: Um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern sich nur die Frauen.

Ich kann es jetzt also - einen Twinni-Eislutscher sauber in zwei Teile brechen, ohne ihn zu zerbröseln, geht so: Du lässt das Ding in der Verpackung, knuddelst es ein wenig mit den Fingern, wackelst sanft daran herum, dann ein schneller, entschlossener Knacks. Sei bloß kein Weichei, wenn du den finalen Rüttler anbringst. Fühlst du dich gerade irgendwie nicht in Topform, kannst du den Twinni vorher auch ein wenig in Händen halten und wärmen, dann geht´s leichter. Aber Vorsicht um Gottes Willen: nicht zu lange, sonst hast du die Soße, wenn du danach das Papier entfernst.

Dass ich jetzt weiß, wie es geht, ist gut für meine Gesundheit. Denn das viele ergebnislose Training der vergangenen Wochen hat mir Bauchweh bereitet, das meine ich nicht im übertragenen Sinn. Irgendwer musste die Sauerei ja nachher immer aufessen. Ich habe 61 Twinnis gezählt, seit Jahresanfang.

© Nikolaus Deventer