Christus! - fast hätte ich's verschlafen

O je! - Verschlafen! Das kennen wir: Wir haben den Wecker überhört und versuchen nun krampfhaft, die verlorene Zeit wieder einzuholen. Streng genommen bedeutet „Ver-Schlafen“ aber jede Form eines „Zur-falschen-Zeit-Wach-Werdens“ und in diesem Sinne ist auch ein zu frühes Erwachen grundsätzlich ein Verschlafen. Und genau um dieses andere Verschlafen geht es jetzt:

Ich erwachte am Morgen um kurz nach 5:00 Uhr. Meine normale Weckzeit ist um 5:50 und so genoss ich das angenehme Gefühl, für ein langsames Erwachen noch genügend Zeit zu haben. Im Haus und in der Wohnung war alles ruhig und man hörte lediglich draußen den um diese Zeit langsam einsetzenden Verkehrslärm.

Ich schloss wieder die Augen und spürte, wie die anfänglich mich umgebende Dunkelheit langsam einem leicht hellen Schein wich, der mich kontinuierlich immer mehr und an Intensität zunehmend umfing. Entspannt ließ ich alles zu und war bereit, mich in diesen Schein zu vertiefen. Das Bild, das sich mir darzustellen begann, war ein praktisch konturenloser lichtdurchfluteter Raum in dem schemenhaft wie aus dem Nebel erscheinend ein Mann erkennbar wurde, der mir merkwürdig klein vorkam. Er war vielleicht nur 1,50 Meter groß, schlank und sportlich gebaut, ca. 35 Jahre alt; kurzum seine äußere Erscheinung entsprach tatsächlich den üblichen Jesusdarstellungen.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass er auf mich zugekommen war, sondern vielmehr, dass er bei Erscheinen des mich umgebenden Bildes bereits dort gewesen sein musste und es lag somit vielmehr an mir, ihn langsam und immer deutlicher erkennen zu können, wenn ich nur wollte – und ob ich wollte!

Wohl sprach er nicht zu mir, vielmehr hörte ich eine Stimme in mir das Wort „komm“ sprechen und gleichzeitig fühlte ich mich nicht nur aufgefordert, sondern ich spürte mich im selben Augenblick an die Hand genommen, aber eigenartiger Weise so, als sei diese nehmende, angenehm warme Hand schon immer dort gewesen und als sei mir merkwürdigerweise erst jetzt dieses Händehalten bewusst geworden.

Ich spürte eine tiefe Ruhe und Geborgenheit, ähnlich einem kleinen Kind, welches sich träumend in eine gedankliche Leere vertiefend, vom Vater an die Hand genommen wird, damit es ihn begleite. All dies geschah ohne jeglichen Zwang. Ich wusste , mich diesem Mann anvertrauen zu können und mich von seiner Hand leiten zu lassen, wäre - ja wäre da nicht etwas Unbestimmbares gewesen, was mir bewusst machte, dass ich soeben kurz davor gewesen war, in tiefen Schlaf zu fallen.

Wieder erwachend spürte ich sehr wohl eine gewisse Sehnsucht nach der soeben verspürten Ruhe und Geborgenheit sowie eine innere Überzeugung, vor noch wenigen Sekunden - und sei es nur für diesen winzigen Augenblick für mich sichtbar - von Jesus Christus geleitet worden zu sein – Eine Überzeugung die spätestens mit dem kurz darauf einsetzenden Wecksignal meiner Uhr dahin zu schmelzen begann, sich jedoch zumindest in einer Erinnerungsspur bis jetzt erhalten hat.

© Nikolaus-Gronau