Die Katze heißt Silvester – Ein Nachruf

Silvester. Ja wir haben ihn alle gern gehabt und waren sehr traurig, als er für immer von uns gegangen war. Unser Ältester verfasste damals folgenden Nachruf:

„Silvester (* Mai 1994 - † 27 August 2009 im 15. Lebensjahr) wurde im Mai 1994 im Waldviertel geboren. Ein listiger "Verkäufer" brachte ihn an meine Schwester, in dem er ihr den kleinen Kater auf einem Kleintiermarkt in die Hand drückte und schnell verschwand. So kam Silvester zu uns.

Die ersten Wochen in der neuen Umgebung waren hart für ihn, denn alles Bekannte, die Katzenmutter, die Geschwister, die Geborgenheit des Nests waren ja fort. Doch solang man jung ist, verkraftet man solche Umstellungen ganz gut, glaube ich. Die Pubertät - gibt es so etwas bei Katzen? - hat dann auch bald eingesetzt, Silvester hat fleißig die Zimmer in unserem Haus markiert. Wenige Wochen später konnte er das nicht mehr, aus dem KatEr war ein Kat geworden.

Mit dem Ende des Sommers übersiedelte er mit uns nach Wien. In Wien musste er sich an ein Leben als Wohnungskatze gewöhnen. Das hat er nie geschafft, maximal toleriert. Regelmäßig versuchte er die Chance auf ein Leben in Freiheit zu nützen und verließ gemeinsam mit uns, oft unbemerkt, die Wohnung. Doch selbst das Treppenhaus war für ihn schon zu verwirrend, sahen doch aus seiner Perspektive alle Türen so ähnlich aus.

Im Gegensatz zu den meisten Wohnungskatzen hatte Silvester jedoch ein großes Glück: Er durfte regelmäßig Umziehen, ins Waldviertel, zum Haus, mindestens zwei Mal pro Jahr. Denn die Sommerferien und auch viele Winterferien wurden im Waldviertel verbracht. Silvester hat die Freiheit dieser Tage ausgekostet, mit ausgedehnten Nachtspaziergängen und so manchem Revierkampf, bei dem er unser Haus verteidigte.

Silvester wuchs mit drei Kindern auf, wurde mit ihnen erwachsen. Drei Kinder wuchsen mit Silvester auf, auch sie wurden erwachsen. Langweilig war ihm in seinen jungen Jahren daher selten, die drei Kinder hielten ihn auf Trab, hielten in fit und gesund. Mit seinem Alter aber auch mit dem Alter der Kinder - Jugendlichen - Erwachsenen ließ der Jagdinstinkt nach. Silvester genoss es von nun an mehr an seinen Lieblingsplätzen zu liegen und Streicheleinheiten zu kassieren. Doch trotz diesem Leben als Genießer ließ er sich nicht gehen, fraß maßvoll, ging nicht in die Breite. Er achtete sehr darauf bei gesellschaftlichen Anlässen dabei sein, er bestand darauf bei Geburtstags- oder Weihnachtsessen mit allen anderen gemeinsam zu (fr)essen, wenn schon nicht vom selben Tisch, dann doch im selben Raum und zur selben Zeit.

Heute Morgen wurde Silvester auf einem seiner Lieblingsplätze hinter unserem Haus im Waldviertel gefunden. Er ist wieder umgezogen, diesmal wird es für immer sein. Ich werde ihn vermissen und regelmäßig besuchen.“

Silvester ruht nun im Garten in seinem Waldviertel unter einem großen Stein.

© Nikolaus-Gronau