Geschichte ist wichtig – auch ohne Siege

So wie jeder Österreicher die heimische Bergwelt liebt, spricht jeder Däne gern über die See. Mein dänischer Freund Torben, übrigens ein Nachfahre von H.C. Andersen (so wie Tausende seiner Landsleute), ist da keine Ausnahme. Und nachdem ein ehem. Kollege von mir Enkel eines der letzten österr.-ungarischen Vizeadmiräle ist, kannte ich mich ein wenig im k.u.k. Marinewesen aus. Schon beim ersten Treffen mit Torben war dies „unser“ Thema.

Torben kannte sich aus und er schwärmte soeben von dem Gemälde, auf dem Romako den Moment festhält, als Wilhelm v. Tegetthoff in der Schlacht bei Lissa die Re d´Italia vernichtend rammt. Ich erzählte ihm daraufhin, dass die damals so erfolgreiche habsburgische Flotte erst wenige Jahre zuvor von einem Dänen komplett neu aufgestellt worden war. Sein Name war schnell gefunden: Hans Birch Dahlerup.

Wie war das möglich? Nun, den Matrosen der ursprünglich k.k. Marine in Venedig war das Haus Habsburg verständlicherweise ziemlich egal und das war namentlich bei der 1848er Revolution überhaupt nicht hilfreich. Mit harter Hand griff Radetzky durch und in der Folge wurde auch die Marine neu geregelt und die Kommandantur nach Triest bzw. Pola verlegt. Besagter Däne war der „Mann der Ersten Stunde“ und späterer Berater von Marinechef Erzherzog Max (dem späteren König von Mexiko).

Mit nur einer Unterbrechung blieb Dahlerup auf höchster Ebene im Wirkungsbereich der österr. Marine bis diese im Deutsch-Dänischen Krieg (1864) dem Königreich Preußen zur Hilfe eilte. Mit der dänischen Blockade der Ostseehäfen konnten die Preußen allein noch klarkommen, aber in der Nordsee hatten sie praktisch nichts zu bieten. Und es war Tegetthoff, der mit einem Geschwader zur Hilfe eilte. Höhepunkt der Auseinandersetzung war die Schlacht vor Helgoland, wo beide Verbände zusammentrafen und aufeinander losballerten. Nun schien Torben voll in seinem Element, denn er hatte in jungen Jahren an der Restaurierung der „Jütland“ (jetzt ein Museumsschiff) mitgewirkt, einer Fregatte, die an der damaligen Schlacht beteiligt war. Schwer havariert zogen sich beide Verbände zurück und das war‘s. Wer war Sieger? Hierzulande sagt man wir und Torben behauptete das Gleiche für Dänemark. Macht nichts und ist jetzt nicht mehr wichtig.

Die Geschichte erinnert mich aber an jene eines anderen Kollegen, dessen Freund aus der Türkei kommt. Dieser glaubt fest daran, dass Pascha Kara Mustafa 1683 erfolgreich aus der Belagerung Wiens hervorgegangen ist. - Auch egal!

© Nikolaus-Gronau