Mit dem Postbus durch den Nordwald

„Grüß Gott. Ich möchte nach Gmünd und von dort dann weiter nach Heidenreichstein“ „Mach ma“ sagte der Postbus-Chauffeur „direkt nach Hoaningstoa?“ „Nein, eigentlich muss ich in mein Dorf xxx und die Haltestelle heißt „Schmiede.“ Ein Klick, Klick, Klick, dann ein Ratsch an der Fahrscheinmaschine, der Fahrer nannte den Betrag, ich zahlte und schon hielt ich den Fahrschein in Händen. „Nicht schlecht“ dachte ich. Es war das erste Mal, dass ich die Verbindung ausprobiert hatte. Ich war in Linz am Hessenplatz in den Postbus eingestiegen und der Fahrer kannte nicht nur mein kleines Dorf, sondern hatte mir auch eine Fahrkarte dahin verkauft.

Es war ein Freitag im Sommer 1995. Ich war in der Früh mit der Bahn von Wien nach Linz gefahren, um im Landesschulrat (eine Wirkungsstätte von A. Stifter) Gespräche zu führen und den letzten Temin hatte ich mit einem Kammerkollegen am Hessenplatz gehabt. Frau und Kinder waren mitsamt der Katze über die Ferien in unser Haus ins Waldviertel gefahren. Alle waren gern da oben, die Kinder spielten und gingen mit den anderen Dorfkindern viel im nahegelegenen Weiher schwimmen und bis die Schule wieder anfing, waren sie mindestens ebenso braungebrannt, wie ihre Wiener Freunde nach deren Badeurlaub an der Adria oder wo auch immer. Tja, die Sonnenscheindauer in unserem Waldviertel wird meist unterschätzt.

Nun also genoss ich nachdem der Bus die Industriestadt Linz hinter sich gelassen hatte die Fahrt durch die sanfte Hügellandschaft des Mühlviertels, schon waren wir in Freistadt mit seiner mittelalterlichen Stadtbefestigung und von dort ging es hinauf in den Nordwald nach Sandl und Karlstift. Endlich wieder klare Sicht und sattes Grün in Hülle und Fülle. Noch hatten wir allerdings Weitra nicht erreicht und ich fürchtete, dass ich in Gmünd den Anschlussbus verpassen könnte. Dann endlich kam das ortsbildbeherrschende Schloss Weitra in Sicht. Dort allerdings sehe ich zu meinem Entsetzen, wie der Chauffeur aussteigt und sich in aller Seelenruhe eine Rauchpause gönnt. „Tschuldigung, aber Sie wissen schon, dass ich den Anschluss in Gmünd erwischen will.“ „Mach ma, des wird si scho ausgenga.“ so die lakonische Antwort und er rauchte gelassen weiter. Dann ging es weiter, den „Waller“ hinunter und die von der Lainsitz geformte Gmünder Ebene lag vor uns. „Wird saumäßig knapp“ dachte ich und wurde immer nervöser. Schließlich hatten wir in Gmünd den Bahnhof erreicht.

Mist! Nirgends war ein Bus zu sehen. Ich war stocksauer. „… und, wo ist jetzt mein Anschlussbus?“ fragte ich den Chauffeur. „Mach ma sofurt!“ so seine knappe Antwort. Er stand vom Fahrersitz auf und wechselte das Zielschild von „Gmünd“ auf „Heidenreichstein“: Es gab also keinen anderen Anschlussbus, als jenen, mit dem ich schon seit Linz gefahren war. „Passt des so?“ fragte er lachend. Keine 40 Minuten später bin ich pünktlich bei unserer Dorfschmiede ausgestiegen, wo ich von den beiden älteren Kindern schon erwartet worden war.

© Nikolaus-Gronau