"Navy blue, Sir"

Doch, es gibt sie: Menschen, die ganz unerwartet einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich erinnere mich da beispielsweise an Philippe Gigantès, der in den 80ern unser Institut besuchte. Er war Abgeordneter zum kanadischen Parlament und interessierte sich für die im zwischenstaatlichen Vergleich frühe Berufsbildung Österreichs. Niemand von uns kannte ihn und ich hab zuvor lediglich in Erfahrung bringen können, dass er gebürtiger Grieche war und im 2. Weltkrieg in der Royal-Navy gedient hatte und später als Kriegsberichterstatter im Koreakrieg für fast drei Jahre in Kriegsgefangenschaft geraten war. Ein alter, kampferprobter Haudegen also? So recht passte das nicht, denn in den 60ern war er bis zu Militärputsch 1967 unter König Konstantin griechischer Kulturminister. Dann Exil in Nordamerika, Nachrichtenkorrespondent und Fernsehkommentator und nun also Senator zum kanadischen Parlament. Nicht schlecht! Offenbar ein interessanter Mann.

Gegen Ende war aus unserem Gespräch eine gemütliche Plauderei geworden. Der Senator begann zu erzählen, dass er gegenwärtig Unmengen an Vitamin C-Tabletten schlucke. Er tue dies aber nicht wegen seiner Gesundheit, sondern seiner lieben Frau zuliebe. Er selbst glaube, dass die Wirkung der Tabletten am ehestens zu einer Verringerung der Erkältungskrankheiten bei den Kanalratten führe. Auch vertraute er uns an, warum er sich für die kanadische Staatsbürgerschaft entschieden hatte: Er habe viele Kanadier im 2. Weltkrieg kennengelernt: Kanadier leiden nicht unter dem Druck des britischen Gesellschaftssystems, nicht unter dem französischen Narzissmus und sie sind nicht so offensiv patriotisch, wie die Amerikaner, die nur zu gern ihre rechte Hand an ihre linke Brust drücken und sich des Versprechens ihrer Staatstreue versichern.

Schließlich erzählte er uns eine Anekdote von einem alten Freund aus der Royal-Navy im Admiralitätsrang, der im zivilen Leben als oberster Personalchef in einem multinationalen Unternehmen tätig gewesen war. Jeder Kandidat, der es bis zu ihm geschafft hatte, wurde für die folgenden Fragen wie folgt vorbereitet: 1. „What’s your favourite sports?” – Antwort“Sailing.”2 “Should schools offer lessons in boxing”” – Antwort “Certainly.” 3. “What’s your favourite colour?” – Antwort “Navy blue, Sir!” Mit diesen Antworten hatte man dann den Job in der Tasche.

1."Was ist Ihre Lieblingssportart?" - "Segeln". 2. „Sollten Schulen Unterricht im Boxen anbieten?“ „Sicher.“. 3."Was ist Ihre Lieblingsfarbe?" - "Marineblau, Sir!".

© Nikolaus-Gronau