Unser Kurti ist verliebt

Kurti ist im Waldviertel für unseren Rasen zuständig. Die Winterruhe verbringt er in der Garage, doch im Mai wird er alljährlich herausgeholt und tummelt sich dann fleißig auf der Wiese. Bis vor wenigen Jahren habe ich selbst den Rasen gemäht. Hab ich immer gern gemacht, doch war mir in der letzten Zeit die Rasenpflege in unserem hanglagigen Garten bereits ziemlich schwer gefallen. Dann jedoch konnte ich krankheitsbedingt nicht mehr im Garten arbeiten. Als Problemlösung bot sich die Anschaffung eines Mähroboters an und ich gesteh, dass ich ihm gern bei der Arbeit zusehe. Vor allem bewundere ich seinen eingebauten geheimen Algorithmus, der steuert, wie die drei zusammenhängenden Rasenflächen nach unterschiedlichen Programmen gleichmäßig kurz gehalten werden. „Kurz“ war das Stichwort, das bei der Benennung von „Kurti“ gleichsam Pate gestanden war.

„Kurti“ ist schöner als „Mähroboter“. Genauso gut könnte man auch „Muhroboter“ sagen, doch anders als die Schafe dürften die Kühe in diesen Belangen die schwächere Lobby haben. Bleiben wir also bei „Kurti“.

Die undurchschaubare Routenwahl mit der Kurti unsere Wiesen bearbeitet, habe ich bislang noch immer nicht durchschaut. Kein Wunder also, dass ich begann, unserem Kurti angesichts seines erfolgreichen Wirkens eine gewisse Intelligenz zuzubilligen. Auch erschien es mir so, als ob er, sobald jemand den Garten betrat, nach kurzer Zeit diese Person ansteuerte. Fast so, wie ein Haustier, das sich ein paar Streicheleinheiten erwartet. Mir ist klar, dass Kurti nur ein Roboter ist, doch wir Menschen neigen dazu, diesen ab einer hinreichenden Komplexität der ihnen übertragenen Verrichtungen eine gewisse Selbständigkeit zu unterstellen. Man denke nur an den Golem des Rabbi Löw oder an das namenlose Monster des Dr. Frankenstein.

Kurti jedoch erscheint mir vollkommen harmlos. Ja er zeigt sogar liebenswerte Züge, nachdem sich auch der Nachbar einen Mähroboter angeschafft hatte. Kurti scheint nämlich eine Neigung zum anderen Mäher, mit Namen „Resi“ gefasst zu haben. Unsere Gärten gehen nahtlos ineinander über und verfügen dort, wo keine Sträucher stehen, über eine etwa 10 Meter breite „Begegnungszone“. Nach meinen Beobachtungen treffen dort die beiden Mäher einander weitaus häufiger zusammen, als es der blanke Zufall erwarten ließe. Auch habe ich den Eindruck, dass dies namentlich zu Saisonbeginn extrem oft vorkommt, so als ob die beiden ihr Wiedersehen feierten. Kurzum: Kurti hat sich in Resi verliebt.

Allzu innigen Begegnungen stehen die vergrabenen unüberwindbaren Begrenzungsdrähte entgegen. Zumindest solange menschliche Beobachter in der Nähe sind. Was aber geschieht, wenn niemand dabei ist, insbesondere in lauen Sommernächten, von denen es auch bei uns im Waldviertel in den letzten Jahren immer mehr gibt? Vielleicht ist es so schon öfter zu romantischen Begegnungen gekommen. Zuzutrauen wäre es sowohl unserem Kurti als auch Nachbars Resi.

© Nikolaus-Gronau